Politik : „Perspektive für jeden in der Hauptschule“

Herr Minister Banzer, was ist eigentlich dagegen einzuwenden, allen Hauptschülern einen Abschluss zu garantieren?

Das ist aus meiner Sicht ein Schnellschuss, mit dem versucht wird, in der Bildungspolitik rasch zu punkten. Die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss nachzuholen, gibt es längst. Der Bundesarbeitsminister ist damit ja schon auf den ersten Metern gescheitert. Ich finde, wir sollten uns aufs Wesentliche konzentrieren.

Ist denn die Hauptschule nicht das Wesentliche?

Das stimmt. Deshalb sollten wir den Löwenanteil unserer Kräfte auf die Hauptschule konzentrieren. Hier sind die schwächsten Schüler konzentriert, und hier muss Bildungspolitik vordringlich nacharbeiten. Dafür müssen wir aber inhaltlich etwas tun.

Das hieße?

Die Hauptschule muss sich nach meiner Ansicht verstärkt nach außen öffnen, Richtung Betriebe. Ich wünsche mir, dass aus Hauptschülern eine Art Werksstudenten werden.

Meinen Sie damit: Wer Hauptschüler ist, soll lieber arbeiten lernen und nicht so viel denken?

Ganz und gar nicht, im Gegenteil! Ich wünsche mir, dass einer in einen Betrieb kommt, wo ihm die Arbeit Spaß macht und er merkt, dass es nötig war, dass er oder sie in Mathematik den Dreisatz gepaukt hat. Die Schüler sollen sofort sehen, warum sie lernen.

Aber das dreigliedrige Schulsystem ist Ihnen weiter heilig?

Für mich sind differenzierte Abschlüsse der entscheidende Punkt. Es könnte durchaus sinnvoll sein, die Eingänge Haupt- und Realschule zusammenzuführen und erst später zu differenzieren. Mein vorrangiges Ziel ist, dass jeder, der die Hauptschule besucht, am Ende eine sichere Berufsperspektive hat.

Das Gespräch führte Andrea Dernbach

Jürgen Banzer (53) ist Kultusminister in der geschäftsführenden Landesregierung von Roland Koch in Hessen. Im Wahlkampf waren die Schulreformen seiner Vorgängerin ein Hauptthema.

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