Politik : Peru: Das Land wagt einen politischen Neuanfang

In Moskau haben am Samstag Tausende Demonstranten gegen die Übernahme des unabhängigen Fernsehsenders NTW durch den staatlichen Energiekonzern Gazprom protestiert. Die Menschen versammelten sich vor dem Sendergebäude am Fernsehturm Ostankino und riefen in Sprechchören "NTW, NTW". Journalisten des Senders bekräftigten in Reden vor den Demonstranten, den neuen NTW-Vorstand nicht anzuerkennen. Dieser war auf einer Hauptversammlung am Dienstag eingesetzt worden. Die NTW-Mitarbeiter befürchten durch die Übernahme das Ende ihrer journalistischen Unabhängigkeit. NTW ist der einzige nicht-staatliche Fernsehsender, der in ganz Russland zu empfangen ist.

"Ihr seid unsere Stimme", rief der entlassene NTW-Generaldirektor Jewgeni Kiseljow den Demonstranten zu. "Wir werden Euch nie im Stich lassen." Es sei klar, was passiere, wenn nichts gegen die neue NTW-Führung getan werde, sagte ein Parlamentskorrespondent des Senders. Dann werde sich NTW zu einem staatlichen Verlautbarungsorgan entwickeln.

Kiseljow sagte Reuters TV, die Kundgebung lasse die Führung des Landes aufhorchen und zuhören. "Die heutige Demonstration zeigt der Regierung, dem Präsidialamt und Präsident Wladimir Putin, dass es die öffentliche Meinung in diesem Land noch immer gibt." Die Führung müsse dies zur Kenntnis nehmen, sagte Kiseljow. "Anderenfalls ist das keine Regierung, sondern einfach ein Haufen Lügner."

Ein etwa 20-jähriger Demonstrant sagte, er sei mit seinen Freunden aus Sibirien nach Moskau gekommen, um an der Kundgebung teilzunehmen. "Wir stehen hier für die Pressefreiheit." Eine andere Demonstrantin sagte: "Wir wollen unseren Lieblingssender unterstützen und zeigen, dass wir an NTW glauben."

Unter den Demonstranten wurden Baseball-Kappen mit dem grünen Logo des Senders verteilt. Auf Plakaten in der Menschenmenge war in Anspielung auf die frühere Tätigkeit Putins im Geheimdienst zu lesen: "Ja zu NTW, Nein zum KGB" und "Schutz vor Lügen". Die Kundgebung wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet und live im NTW-Fernsehen übertragen. Bereits am vergangenen Wochenende waren in Moskau mehr als 10.000 Menschen für den Erhalt des Senders auf die Straße gegangen. Es wurde erwartet, dass an diesem Sonntag trotz des Regens noch mehr Menschen für NTW demonstrierten.

Der Gründer des US-Nachrichtensenders CNN, Ted Turner, bemühte sich weiter um eine Beteiligung an NTW. Aus verhandlungsnahen Kreisen verlautete, Turner wolle noch am Wochenende einen Vertrag abschließen. Der Medienunternehmer hatte sich am Mittwoch mit NTW-Gründer Wladimir Gussinski auf die Übernahme eines Großteils der Anteile an dessen Media-Most Holding geeinigt, zu der NTW gehört.

Am Freitag waren Schlichtungsgespräche zwischen Gazprom-Vertretern und der NTW-Belegschaft gescheitert. Der von Gazprom eingesetzte Senderchef Alfred Koch sagte, die NTW-Vertreter hätten ihn aufgefordert, an Putin zu appellieren, den Streit vor das Oberste Gericht zu bringen.

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