Politik : Perus Präsidentenwahl: Neue Chance für Toledo

Fünf Monate nach dem Sturz von Präsident Alberto Fujimori waren die Peruaner am Sonntag zur Wahl eines neuen Staatschefs aufgerufen. Favorit unter den insgesamt acht Kandidaten war den Umfragen zufolge Alejandro Toledo, ein in den USA ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler indianischer Abstammung, der bereits im vergangenen Jahr gegen Fujimori angetreten war. Es wurde jedoch nicht erwartet, dass er bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit schafft.

Für den zweiten Platz prognostizieren die Meinungsforscher ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der 41-jährigen konservativen Rechtsanwältin Lourdes Flores, die zu Limas weißer Oberschicht gehört, und dem früheren Präsidenten Alan Garcia. Der 51-jährige Linkspopulist regierte Peru von 1985 bis 1990. Erhält keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit, kommt es Ende Mai oder Anfang Juni zu einer Stichwahl. Zur Stimmabgabe aufgerufen waren rund 15 Millionen Wähler.

Die letzte Präsidentenwahl in Peru liegt erst knapp ein Jahr zurück und war von Betrugsvorwürfen gekennzeichnet. Der autokratisch regierende Fujimori ließ sich im Mai für eine dritte Amtszeit wählen, obwohl die Verfassung nur eine Wiederwahl zulässt. Schon damals stand Toledos Name auf dem Stimmzettel. Allerdings boykottierte der heute 55-Jährige die Stichwahl gegen Fujimori, weil er ihm Wahlfälschung vorwarf. Im November setzte das Parlament in Lima den Präsidenten wegen "moralischer Unfähigkeit" ab. Fujimori hält sich seitdem in Japan auf.

Den jüngsten Wahlkampf überschatteten persönliche Vorwürfe. Toledo sah sich mit Berichten konfrontiert, er sei Vater eines unehelichen Kindes, habe sich in einem Hotel mit drei Prostituierten vergnügt und Drogen konsumiert. Flores warf ihren Gegnern vor, sie betrieben eine Kampagne gegen sie, in der sie ihr unter anderem nachsagen wollten, sie sei lesbisch.

Am Tag vor der Wahl waren zwei Menschen bei einem Bombenanschlag leicht verletzt worden. Das Attentat am Samstag richtete sich nach Polizeiangaben gegen ein Büro von Toledos populistischer Mitte-Links-Partei "Per Posible". Die Explosion ereignete sich in der Anden-Stadt Ayachucho.

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