Peter Müller : "Der Wutbürger springt zu kurz"

"Politiker sollten den Leuten sagen: Wir können nicht alle eure Probleme lösen". Der scheidende Saar-Ministerpräsident Peter Müller sprach mit dem Tagesspiegel über die Atemlosigkeit der Politik – und wie sie besser werden könnte.

von und 17.07.201117.07.2011
Peter Müller (CDU)
Peter Müller (CDU)Foto: Thilo Rückeis

Herr Müller, sind Sie der Politik müde?

Nein! Aber: Alles hat seine Zeit. Ich bin zwölf Jahre Ministerpräsident, bin über 20 Jahre Mitglied des saarländischen Landtages. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen.

Früher blieben Ministerpräsidenten im Amt, bis Rente oder Wähler sie vertrieben.

Ich finde das nicht anstrebenswert. Irgendwann droht für jeden das Erstarren in Routine. Dazu kommt: Die Zeiten sind schnelllebiger geworden. Die Halbwertszeiten sind auch in der Politik dramatisch zurückgegangen. Nichts ist beständiger als der Wandel – das gilt auch für Ministerpräsidenten.

Sie sind jetzt einer der letzten des legendären „Andenpakts“, der aus der Politik aussteigt. Was hat diese Generation bewirkt?

In diesen Andenpakt ist unheimlich viel hineingeheimnist worden. Das war nie richtig. Es sind da Freunde zusammengekommen, die auf der Basis einer gemeinsamen politischen Sozialisation und gemeinsamer Überzeugungen versucht haben, über Politik nachzudenken. Da gab es bei allen Unterschieden immer ein gemeinsames Wollen. Wir haben dabei die Breite des inhaltlichen Spektrums der CDU glaubwürdig abgebildet – sowohl die wirtschaftsliberalen Werte als auch die konservativen als auch die christlich- sozialen, letzteres vielleicht mit meiner Person verbunden. Wir haben die Politik der CDU entscheidend mitgeprägt, jeder an seinem Platz.

Nur Kanzler wurde keiner.

Ich hatte nie den Eindruck, dass einer von uns seinen Lebensinhalt darin gesehen hat, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden.

Och, da fielen mir schon welche ein…

Der Andenpakt war sicher kein Bündnis zur Erringung der Kanzlerschaft.

… zumal der eine sie dem anderen ja vielleicht auch nicht gegönnt hätte?

Das glaube ich nicht.

Was hat sich in der Politik verändert?

Politik ist hektischer geworden, komplexer, auch pragmatischer. Es gibt kaum noch die Möglichkeit, in Ruhe und Gelassenheit komplizierte Sachverhalte zu erörtern. Der politische Betrieb ist durch Atemlosigkeit gekennzeichnet. Ich fürchte, dass ihm das nicht gut tut.

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