Peter Sodann : Links liegen gelassen

Der Kandidat der Linken, Peter Sodann, erzielte bei der Wahl des Bundespräsidenten einen Achtungserfolg, der Lafontaine allerdings nicht hilft.

Matthias MeisnerD

Berlin - Als für Horst Köhler alles gelaufen war, wollte auch die Linke nichts mehr wissen von Missstimmungen und Missverständnissen. Peter Sodann, mit Achtungserfolg gescheiterter Präsidentschaftskandidat, lud das Spitzenduo Oskar Lafontaine und Gregor Gysi am Samstag zur kleinen Runde ins Lokal „Brechts“ am Schiffbauerdamm. Wo schon Brecht gern Gast war, feierte die Linken-Runde sich selbst beim Bier, in „super gelöster Stimmung“, wie ein Teilnehmer sagte: „Wir waren wirklich total happy.“ Sodann hatte im ersten und einzigen Wahlgang 91 Stimmen erhalten, die Linke stellte 89 Wahlmänner und -frauen.

„Ehrlicher als er vertrat keiner die Interessen der kleinen Leute“, hatte Parteichef Lothar Bisky den ehemaligen Tatort-Kommissar Sodann gewürdigt. Und Lafontaine, der vor der Wahl nie so recht Begeisterung für den eigenen Kandidaten gezeigt hatte, stellte fest: „Sodann hat seine Sache gut gemacht.“ Leider habe die SPD einen gemeinsamen Kandidaten abgelehnt. Da klang durch, dass es der Parteiführung ganz gut gefallen hätte, sich im Umfeld der Präsidentenwahl durch rot-rote Debatten interessant zu machen. Stimmen der Linken für Gesine Schwan hätten eine Polarisierung im Bundestagswahlkampf anheizen können.

Blöd für die Linke ist die Bewerbung nicht nur deshalb gelaufen, weil Sodann Bankier Josef Ackermann verhaftet wissen wollte und erklärte, Deutschland sei keine Demokratie. In eine strategisch schwierige Lage kam die Linke auch, weil Gesine Schwan zwar Interesse an den Stimmen der Linken zeigte, andererseits aber Lafontaine heftig anpöbelte. So blieb es beim Nicht-Verhältnis: Die SPD-Spitze nahm vor der Wahl keinen Kontakt zu den Linken auf.

Der Sprecher der Reformer in der Linkspartei, Stefan Liebich, spricht im Unterschied zur Euphorie der Parteioberen nur davon, die Präsidentenwahl sei für die Linke „ganz glimpflich“ verlaufen. Die Sache sei nicht angelegt gewesen, um ein rot-rot-grünes Lager zu schmieden. „Leider“, wie Liebich hinzufügt. Die Aufgabe freilich bestehe fort, mahnt Liebich, selbst wenn auch er eine Umsetzung zur Bundestagswahl 2009 nicht erwartet. „Das liegt an allen drei Parteien.“

Die schwierige Verständigung, wie man es mit der SPD hält – wieder mal aufgeschoben. Die Wortführerin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht, meinte am Sonntag, sie glaube nicht, dass eine Mehrheit der linken Wahlmänner in einem zweiten oder dritten Wahlgang für Schwan gestimmt hätte. Schließlich vertrete die die „gleiche Politik“ wie der bestätigte Amtsinhaber. Erleichtert stellt Wagenknecht fest, dass die SPD „nicht versucht“ habe, mit den Linken zu kooperieren. Matthias Meisner

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