Pfeiffer und die katholische Kirche : Mit dem Segen von Juristen

Das Tischtuch zwischen der katholischen Kirche und dem niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer ist zerschnitten. Scheitert nun die geplante Studie zum sexuellen Missbrauch?

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Die Auseinandersetzung zwischen Christian Pfeiffer, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), und der katholischen Kirche hat am Donnerstag die juristische Ebene erreicht. Die Bischöfe haben Pfeiffer per Unterlassungserklärung verboten, erneut „Zensur“-Vorwürfe gegen die Kirche zu erheben. Pfeiffer stand auch am Donnerstag zu seiner Position, wollte sich aber juristisch beraten lassen, wie er nun vorgehen könne.

Am Mittwoch hatte die katholische Kirche einen Vertrag gekündigt, den sie mit Pfeiffer und dem KFN geschlossen hatte, um sexuellen Missbrauch in der Kirche umfassend aufzuarbeiten. Das Verhältnis zu Pfeiffer sei „zerrüttet“, begründete die Kirche die Kündigung. Pfeiffer wiederum beschuldigte die Bischöfe, sie hätten das Projekt durch ihre „Zensur“- und Kontrollforderungen zum Scheitern gebracht. Sie hätten die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen reglementieren und die Wissenschaftsfreiheit beschneiden wollen.

Die Deutsche Bischofskonferenz wies die Vorwürfe zurück: Auch im letzten Entwurf eines neuen Vertrages zwischen dem KFN und den Bischöfen vom Oktober 2012 sei es nie um eine inhaltliche Zensur von Pfeiffers Arbeit gegangen, sagte Pater Hans Langendörfer, Geschäftsführer des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD), der die deutschen Bischöfe vertritt. Aber es sei vereinbart worden, dass Pfeiffer vor Medienauftritten Rücksprache mit der Kirche halte. Auch habe es unterschiedliche Auffassungen über die Art und Weise der Aufbewahrung von Interviews mit Opfern und Tätern gegeben.

Für das Forschungsprojekt sollten Personalakten in den Bistümern von Priestern, Diakonen und Ordensmännern zum Teil bis ins Jahr 1945 untersucht werden. Langendörfer widersprach auch dem Vorwurf von Bundesjustiziministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die Kirche sei nicht an vollständiger Aufklärung interessiert. Man wolle das Forschungsprojekt jetzt mit anderen Partnern aus der Wissenschaft realisieren, sagte Langendörfer. Mit wem, sei noch nicht klar.

Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, appellierte an die Bischöfe: „Ich sehe die katholische Kirche in der Pflicht, das Projekt schnell fortzuführen und eine Lösung zu präsentieren.“clk

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