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Pferdefleisch-Skandal : Aldi und Lidl finden Pferdefleisch in ihren Fertiggerichten

15.02.2013 17:29 Uhr
In einem Berliner Labor werden Fleischproben analysiert. Die EU-Staaten wollen jetzt mit Gentests nach falsch deklariertem Pferdefleisch fahnden. Foto: dpaBild vergrößern
In einem Berliner Labor werden Fleischproben analysiert. Die EU-Staaten wollen jetzt mit Gentests nach falsch deklariertem Pferdefleisch fahnden. - Foto: dpa

Auch bei Aldi und Lidl werden jetzt Produkte aus den Regalen genommen, in denen falsch deklariertes Pferdefleisch enthalten ist. Die EU-Staaten einigten sich zwischenzeitlich darauf, mit Gentests nach Pferdefleisch zu fahnden.

Zwei Discount-Ketten in Deutschland nehmen Fertiggerichte aus ihren Regalen, nachdem eigene Analysen Pferdefleisch nachgewiesen haben. Die EU-Staaten wollen Gentests machen, um falsch deklariertes Pferdefleisch aufzuspüren. Die Kosten trägt teilweise die EU.

Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd nimmt zwei Fertiggerichte aus den Regalen, nachdem eigene Analysen Pferdefleisch nachgewiesen haben. Das teilte eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.
Bei den betroffenen Produkten handele es sich um „Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)“ und um „Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)“, der allerdings nur in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

Der Verkaufsstopp erfolge vorsorglich auf Bitten der Lieferanten. Nach aktueller Sachlage bestehe kein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher. Kunden könnten die betroffenen Produkte in den Filialen von Aldi Süd gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgegeben.

Auch beim Discounter Lidl gibt es einen ersten Verdacht auf ein mit Pferdefleisch angereichertes Produkt. Lidl Deutschland habe “Tortelloni Rindfleisch“ des Herstellers “Gusto GmbH“ der Hilcona AG aus dem Verkauf genommen, teilte Lidl am Freitag mit. Lidl habe zuvor eine Meldung der österreichischen Behörden erhalten, in der es hieß, in Tortelloni sei ein “nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch“ gefunden worden. Bislang lägen qualitative Analysen von zwei Proben vor, in der zweiten Probe sei aber kein Erbgut von Pferden nachweisbar gewesen, hatte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Österreich weiter erklärt.
Hilcona mit Sitz in Liechtenstein erklärte ebenfalls, einer Untersuchung zufolge enthielten “Combino Tortelloni Carne“, wie sie bei Lidl angeboten würden, Pferdefleisch. Hilcona selbst verarbeite kein Frischfleisch, vielmehr beziehe das Unternehmen Fleisch für seine Lebensmittel von Lieferanten. “In allen unseren Produkten ist gemäß Spezifikation kein Pferdefleisch vorgesehen“, hieß es weiter.
Hilcona vermutet die Quelle nun in einer “fehlerhaft deklarierten und gelieferten Rohware des Lieferanten“.

Hilcona bewirbt Lebensmittel im Internet mit einer “Besseresser-Garantie“, die für die “herausragende Qualität aller unserer Produkte“ stehe.
Pferdefleisch hatte sich trotz anderslautender Etikettierung in Deutschland unter anderem in Produkten des Handelsriesen Kaiser's Tengelmann und bei der Metro -Tochter Real gefunden.

Bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch wollen die EU-Staaten nun Gentests machen. Darauf einigten sich am Freitag Vertreter der Staaten in Brüssel. Die EU-Kommission übernimmt einen Anteil der Kosten an den Untersuchungen, die bis spätestens Ende März abgeschlossen sein sollen.

In diesem Zeitraum sollen die nationalen Behörden 2250 Gentests an Rindfleischprodukten durchführen. Auf jedes Land entfallen dabei zwischen 10 und 150 Proben. Getestet werden nach Angaben der EU-Kommission vor allem Fleischprodukte im Einzelhandel.

Außerdem wollen die Staaten bei Pferdefleisch nach Rückständen des entzündungshemmenden Medikaments Phenylbutazon fahnden. Es ist für den Einsatz bei Tieren, die später auf dem Teller landen sollen, nicht zugelassen.
Für je 50 Tonnen Pferdefleisch ist eine Probe auf die Arznei vorgesehen - bei einem Gewicht von etwa einer halben Tonne pro Tier, würde demnach ein Prozent der Pferde getestet.
Für beide Untersuchungen übernimmt die EU-Kommission drei Viertel der Kosten. Bis Mitte April sollen die Hauptstädte ihre Testergebnisse in Brüssel einreichen. Dann könnten die Staaten auch eine weitere Runde an Untersuchungen beschließen.

Eine rechtlich bindende Verpflichtung zur Durchführung der Tests sind die einzelnen Länder jedoch nicht eingegangen. Diplomaten gehen aber davon aus, dass die Hauptstädte angesichts des öffentlichen Drucks mitziehen werden. Eine bindende Entscheidung hätten die Staaten nicht so kurzfristig treffen können, erklärte ein Diplomat: „Das ist einfach das schnellste Verfahren.“ Zudem bekämen die Staaten nur dann Geld aus europäischen Töpfen, wenn sie sich an die gemeinsamen Standards halten.
EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg freute sich über die Zustimmung für seine Vorschläge. „Die Verbraucher erwarten, dass die EU, nationale Behörden und alle an der Lebensmittelkette Beteiligten ihnen alle nötige Beruhigung verschaffen für das, was sie auf ihren Tellern haben.“ Seine Behörde hatte die Pläne bei einem Treffen von mehreren betroffenen Ländern am Mittwoch ins Spiel gebracht. Auch beim nächsten Treffen der EU-Agrarminister am 25. Februar soll das Thema auf der Tagesordnung stehen. (dpa, Reuters)

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