Politik : PID-Streit spaltet Protestanten

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Berlin - Die Haltung der katholischen Bischöfe ist klar: Sie lehnen alle Formen der menschlichen Fortpflanzung jenseits der natürlichen Zeugung ab. Verhütung, künstliche Befruchtung sowie die aktuell umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) sind verboten. Die Kirche argumentiert mit dem Naturrecht: Leben und Tod entziehen sich dem menschlichen Eingriff, Gott allein kann darüber bestimmen.

Protestanten haben es da schwerer. Für die evangelische Ethik ist der Mensch ein Beziehungswesen, das sich über die Beziehung zu Gott, zur Welt, den Mitmenschen und sich selbst definiert. Diese Beziehungen unterliegen einem permanenten Veränderungsprozess, etwa durch den technischen Fortschritt. Um ethische Positionen muss deshalb immer wieder neu gerungen werden, was sich bei der Debatte um die PID zeigt. Mithilfe der PID untersuchen Mediziner außerhalb des Mutterleibs erzeugte lebensfähige Embryonen auf schwere genetische Defekte und selektieren sie gegebenenfalls aus.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der rheinische Präses Nikolaus Schneider, hatte in einem Interview „viel Sympathie“ für das Bestreben geäußert, die PID unter eng gefassten Bedingungen zuzulassen, nämlich dann, „wenn die Eltern die Anlage zu schwersten Erbkrankheiten in sich tragen und die stark begründete Gefahr besteht, dass sie diese Krankheiten an ihr Kind weitergeben.“

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich ist dagegen für ein Verbot ohne Ausnahmen. „Durch die PID wäre ein Instrument geschaffen, das erklärtermaßen das Ziel einer Selektion verfolgt“, gab Friedrich zu bedenken. Von Sonntag bis Mittwoch tagt in Hannover die Synode der EKD, das oberste Kirchenparlament. Die PID wird dabei zu kontroversen Debatten führen, nachdem Schneider seine Position verdeutlichen wird. Ob die Kirchenparlamentarier sich auf eine Position einigen, ist ungewiss. Zum Schwerpunktthema hat die Synode das Thema „Niemand darf verloren gehen! – Evangelisches Plädoyer für mehr Bildungsgerechtigkeit“ gewählt. Claudia Keller

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