Politik : Pilgerfahrt ins Terrorcamp

Prozess gegen mutmaßlichen Al-Qaida-Mann in Düsseldorf

Jürgen Zurheide[Düsseldorf]

Ohne diesen einen Anruf wäre das Leben des jungen Mannes anders verlaufen. Eigentlich war er nach Mekka gereist, um zu beten, etwas mehr über den Islam zu erfahren und vielleicht auch erleuchtet zu werden. Doch spätestens nach dem Telefongespräch mit Abu Hamza wurde alles anders. „Ich hatte nicht die Absicht, nach Afghanistan zu gehen“, erzählt Sahdi Mustafa den Richtern am Düsseldorfer Oberlandesgericht, doch dieser Anruf brachte alles durcheinander. „Abu Hamza hat mir vorgeschlagen, nach Afghanistan zu reisen, nur dort würde ich wirklich fromme und gebildete Menschen treffen“, sprudelt es aus Sahdi Mustafa heraus.

Sahdi Mustafa lässt sich überzeugen, und wenig später findet er sich an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan wieder. In einer Krefelder Moschee hatte der Palästinenser eine kleine Anzeige über diese Pilgerreise gelesen und das freundliche Angebot, Mekka zu besuchen, angenommen. Das Ganze spielt am Ende des Jahres 1999. In Kandahar landet er in einem Gästehaus der Al Qaida. „Ich wollte Islam lernen und nicht Dschihad betreiben“, erzählt er dem Gericht, das gegen ihn wegen terroristischer Aktivitäten verhandelt. Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der heute 26-jährige Angeklagte nach seiner Rückkehr in Deutschland Anschläge vorbereitet hat.

Das Handwerkszeug auf dem Weg zu einem Terroristen hat er in den Lagern der Al Qaida gelernt. Abu Hafs, genannt der Ägypter, hatte ihn ausgesucht und in eines der Camps geschickt. Abu Hafs zählt zu den Kommandanten der Al Qaida und ist in der Hierarchie nicht weit unter Osama bin Laden. Dem diente Sahdi Mustafa kurze Zeit als Leibwächter. Am Ende dieser Zeit lernte er Abu Al Zarquawi kennen, den die Amerikaner bis heute suchen. Er schickt Sahdi Mustafa wieder zurück nach Deutschland.

Das Gericht wird sich nun mit den Details aus der Telefonüberwachung beschäftigen, daraus soll hervorgehen, was die Gruppe von Al Zarquawi geplant hat. Die Bundesanwaltschaft sieht Hinweise darauf, dass man auf einem belebten Platz möglichst viele Menschen mit schallgedämpften Pistolen erschießen wollte; ein zweiter Anschlag mit Handgranaten sollte einem jüdischen oder israelischen Ziel dienen – beides verhinderte die Festnahme der Gruppe um Sahdi Mustafa am 23. April des vergangenen Jahres.

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