Piloten : Duty-Free-Shops sind ein Risiko

Gewerkschafter fordern eine Überprüfung des zollfreien Sortiments der Geschäfte in Flughäfen. Auch den Einsatz von Körperscannern halten Experten für sinnvoll.

Rainer W. During,Sven Lemkemeyer

Berlin - Nach dem versuchten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug fordern deutsche Piloten und Sicherheitsexperten neben effektiveren Passagierkontrollen weiter gehende Sicherheitsmaßnahmen. Dazu zähle, dass das Warenangebot in den Geschäften für zollfreien Einkauf an Flughäfen überprüft werden müsse. „Auch das Sortiment der Duty-free- Shops kann ein Sicherheitsrisiko darstellen“, sagte der Sprecher der Deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerk, dem Tagesspiegel.

Während Passagieren bei der Kontrolle häufig harmlose Sachen abgenommen würden, könnten sie gleich dahinter oft brisante Dinge erwerben, sagte Handwerk. Er selbst habe in London seine Wasserflasche abgeben müssen und danach im Duty-free-Shop Rasierklingen kaufen können, sagte er. Damit könne man zwar kein Flugzeug sprengen, aber die Besatzung angreifen.

Der Sicherheitsexperte Wolfgang Spyra von der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus sagte dem Tagesspiegel, auch Haarspraydosen, Parfüm oder hochprozentige Spirituosen könnten dazu dienen, mit Hilfe des erlaubten Feuerzeugs an Bord einen Brand zu verursachen oder gar ein explosives Gemisch herzustellen. Passagiere sollten deshalb zollfreie Waren zwar vor dem Start oder an Bord bestellen können, diese aber erst nach der Landung ausgehändigt bekommen.

Handwerk und Spyra forderten zudem, auch in Deutschland Körperscanner einzusetzen, um die Kontrollen zu optimieren. Sie seien bisher die „Schwachstelle“ in der Sicherheitskette, sagte der Kampfmittel- und Sprengstoffexperte Spyra. Die Regierung bekräftigte, dass sie die Einführung dieser Geräte befürworte. Sowohl Innenminister Thomas de Maizière (CDU) als auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) machten aber zur Bedingung, dass die Persönlichkeitsrechte der Passagiere gewahrt bleiben und die Geräte gesundheitlich unbedenklich sein müssen. Ein solcher Apparat soll im nächsten Jahr vorgestellt werden. Die niederländische Regierung teilte am Mittwoch mit, dass die Kontrolle mit Körperscannern für USA-Reisende am Flughafen Amsterdam ab sofort Pflicht ist.

US-Präsident Barack Obama hatte am späten Dienstagabend (MEZ) „katastrophale“ Pannen seiner Sicherheitsbehörden, insbesondere des Geheimdienstes CIA, zugegeben. Menschliches Versagen und Fehler im System hätten dazu geführt, dass der 23-jährige Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab am ersten Weihnachtstag mit hochexplosivem Sprengstoff an Bord der Maschine auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit gelangt sei, kritisierte Obama. „Es scheint, dass diese Information vor Wochen einer Abteilung unserer Geheimdienste mitgeteilt, aber nicht effizient weitergeleitet wurde. Andernfalls hätte der Anschlagsversuch verhindert werden können.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar