Politik : Pilotenwitwe bringt Rau in Turbulenzen

Sabine Wichmann setzt ihre Aussagen im Düsseldorfer Untersuchungsausschuss zur "Flugaffäre" fort

Auch am zweiten Tag der Vernehmung im Düsseldorfer Untersuchungs-Auschuß zur "Flugaffäre" der Landesregierung ist Sabine Wichmann wieder ganz in Schwarz erschienen, hat das Blitzlichgewitter über sich ergehen lassen wie am Mittwoch. Als ihr Anwalt spricht, knetet sie allerdings den Löffel, mit dem sie zuvor schon pausenlos in der Teetasse gerührt hat. In zehn Punkten korrigiert Ferdinand Dahlmanns eine eidesstattliche Versicherung, die sie am 26. November 1999bei einem Notar in Marl unterschrieben hatte; "vorgelesen, von ihr genehmigt" wie der Kollege Dahlmanns bestätigt hat. In diesem Papier berichtet Sabine Wichmann von dem fast ausschließlich privaten Charakter der Flüge, die vor allem Ex-Ministerpräsident Johannes Rau und Finanzminister Heinz Schleußer (SPD) mit den Maschinen ihres Mannes gemacht haben.

Edgar Moron, der Wortführer der Sozialdemokraten, versucht sie darauf festzulegen, dass Rau nach Wittmund geflogen sei. "Er hat auf Wangerooge ein Ferienhaus", habe ihr Mann damals erzählt, wird sie später berichten, doch erst einmal fährt sie Moron in die Parade. "Das habe ich nicht gesagt, nach Wittmund oder in die Nähe von Wittmund", erklärt sie mit schneidender Stimme und erinnert dann daran, dass sie sich um die Fähre für den damaligen Düsseldorfer Regierungschef gekümmert habe. In solchen Momenten beweist sie ein erstaunliches Erinnerungsvermögen. Mal hatte die Ehefrau des WestLB-Chefs Kopfschmerzen, dann wiederum fliegt beim Landeanflug auf Wittmund ein Sektkübel durch den Passagierraum. So präzise sie solche Details beisteuert, so ungenau wird sie, wenn man sie auf Zeiträume festzulegen versucht. "Aber nicht auf Daten", fällt sie Moron ins Wort, der natürlich gerne an Hand der vielfältigen Unterlagen nachprüfen möchte, was die Witwe erzählt. "Wir haben bisher zum Beispiel keinen Rau-Flug nach Wittmund gefunden", hält er ihr vor. Sie schüttelt nur den Kopf.

Irgendwann im Jahre 1988 ist sie zu PJC gekommen, so ganz genau weiß sie das nicht mehr. PJC steht für Private Jet Charter, die Firma gehört Peter Wichmann. Er hatte eine Stewardess gesucht. Die damals 22-jährige Sabine Pungs bewarb sich, später heiratete sie ihren Arbeitgeber. Sie begleitet ihn häufig auf seinen vielfältigen Flügen mit prominenten Gästen aus der Wirtschaft, vor allem mit Friedel Neuber, dem Chef der West LB, dem besten Kunden des Hauses Wichmann. "Der flog fast täglich mit uns", berichtet Sabine Wichmann und erzählt von dienstlichen und weniger dienstlichen Anlässen. "Zum Beispiel den vielen Jagdausflügen von Herrn Neuber mit Herrn Beitz", steuert sie bei.

Sabine Wichmann hat das Unternehmen nach dem Tode ihres Mannes liquidieren müssen, das Erbe ist durch Steuerschulden blockiert. Das Finanzamt verlangt von ihrer Tocher, der Alleinerbin, mehr als drei Millionen Mark. Nach dem Tod ihres Mannes haben sie Männer mit unterschiedlichen Interessen beraten. "Ich wollte das alles nicht anrichten", hat Sabine Wichmann kürzlich einer Freundin anvertraut und bedauert, dass Rau in Schwierigkeiten gerät; zu Schleußer fallen ihr dagegen besonders viele ungünstige Details ein. Mal vertraut sie sich einem Detektiv an, der schon in anderer Angelegenheit für sie tätig war, dann wollen Anwälte die Informationen über die Politiker zu Geld machen. Am Ende verkauft sie ihre Geschichte für 100 000 Mark an den "Spiegel". Seither ist sie die Kronzeugin, die Rau und andere in Turbulenzen bringt, auch wenn sie sich immer wieder korrigieren muß.

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