Politik : Pinochet: Die Vorwürfe

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Im September 1973 putschte der chilenische Heereschef Augusto Pinochet gegen die Regierung des demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende. Allende kam bei der Erstürmung des Präsidentenpalastes unter bis heute ungeklärten Bedingungen um. Neben einschneidenden Wirtschaftsmaßnahmen baute Pinochet in den folgenden Jahren eine repressive Diktatur auf. Erst 1990 ging seine Herrschaft zu Ende.

Die Vorwürfe, die zurzeit in Chile verhandelt werden, beziehen sich auf Verbrechen während der Diktatur. In mehr als 150 Fällen ist vor chilenischen Gerichten bereits Klage erhoben worden. Diesen kann aber solange nicht nachgegangen werden, wie Pinochet als Senator auf Lebenszeit Immunität besitzt. Der Antrag auf deren Aufhebung stützt sich auf den Verdacht, Pinochet sei für 19 Fälle "qualifizierter Entführungen" von Oppositionellen - insbesondere Gewerkschaftern und Anhängern Allendes - verantwortlich gewesen. Diese sollen von der so genannten "Todeskarawane" kurz nach Pinochets Machtergreifung begangen worden sein. Inzwischen sind auch Schriftstücke aufgetaucht, die den Ex-Diktator persönlich dafür verantwortlich machen. Den Mitgliedern der "Todeskarawane" werden von chilenischen Menschenrechtsanwälten mindestens 72 Morde zur Last gelegt.

Insgesamt kamen unter der Regentschaft Pinochets mehr als 3000 Menschen um oder verschwanden spurlos. Zehntausende flüchteten aus Chile. Da sich unter den Opfern auch spanische Staatsbürger befanden, beantragte der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzon 1998 bereits die Auslieferung Pinochets durch Großbritannien "wegen Verbrechen gegen die Menschheit". Nur aufgrund ärztlicher Gutachten konnte der General dem Gerichtsverfahren entgehen.

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