Piraten vor Gericht : Langer Prozess

Seit anderthalb Jahren schon zieht sich in Hamburg der Prozess gegen zehn somalische Piraten hin. Das Ende ist noch nicht absehbar.

In Hamburg ist es der erste Piratenprozess seit 400 Jahren: Im November 2010 begann vor dem Landgericht das Verfahren gegen zehn Männer, denen vorgeworfen wird, am Ostermontag des gleichen Jahres das Hamburger Containerschiff „Taipan“ gekapert und dessen Besatzung gekidnappt zu haben. Sie waren von der niederländischen Marine festgenommen und an Deutschland übergeben worden. Die Anklage lautet auf Angriff auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraub. 20 Anwälte vertreten die zehn Somalier im Alter von – damals – 17 bis 48 Jahren.

In dem sich seit nunmehr anderthalb Jahren hinziehenden Prozess hatte die Staatsanwaltschaft Ende Januar 2012 Haftstrafen zwischen vier und elfeinhalb Jahren beantragt. Der Überfall auf das deutsche Containerschiff sei professionell und quasi militärisch abgelaufen, stellte die Staatsanwaltschaft damals fest. Vor wenigen Tagen wurde bei einem Haftprüfungstermin vom Vorsitzenden Richter Bernd Steinmetz die Freilassung der drei jüngsten Angeklagten angeordnet, weil sie mittlerweile seit zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzen. Für Angeklagte, die zum Zeitpunkt der Tat noch Jugendliche oder Heranwachsende waren, sei dies eine unverhältnismäßig lange Zeit, argumentierte der Richter. Die drei Somalier sind nun vorläufig in Jugendeinrichtungen untergebracht.

Der Verteidiger von Abdiwali M., dem jüngsten unter den Piraten, geht davon aus, dass sein Mandant nun nicht mehr in Haft muss. Denn selbst wenn er verurteilt würde, würde die Untersuchungshaft mit dem Strafmaß verrechnet. Abdiwali hatte seine Teilnahme an der Aktion schon vor einem Jahr gestanden und sich damals beim Kapitän der „Taipan“ dafür entschuldigt. Seine Kinderjahre hatte er als Zeit der Not und des Hungers geschildert. An der Kaperung des Schiffes habe er sich beteiligt, um zu überleben, sagte er vor Gericht.

Unterdessen scheint sich abzuzeichnen, dass sich der Prozess, der bereits vier Mal verlängert wurde, weiter hinauszögert. Der Terminplan, der zuletzt bis Ende Mai reichte, wurde bis Ende August erweitert.

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