Piraten vor Somalia : Geiseln in höchster Gefahr

Der Nervenkrieg um den entführten US-Schiffskapitän Richard Phillips endete vor der Küste Somalias mit einem blutigen Showdown. Elitesoldaten töteten drei Piraten mit Kopfschüssen, der vierte Seeräuber hatte sich ergeben. Nach dem Angriff droht nun eine Spirale der Gewalt.

Nairobi - Der Nervenkrieg um den entführten amerikanischen Schiffskapitän Richard Phillips endete vor der Küste Somalias mit einem blutigen Showdown. US-Scharfschützen töteten drei der Piraten mit Kopfschüssen, der vierte Seeräuber hatte sich ergeben. Fünf Tage lang hatten die Familie des 53-Jährigen, die Reederei und viele Amerikaner, für die der grauhaarige Kapitän zum Helden wurde, um das Leben von Richards gebangt. Denn während seine 20-köpfige Crew am Mittwoch das zuvor geenterte Containerschiff „Maersk Alabama“ wieder unter Kontrolle bringen konnte, flohen die vier Piraten mit Phillips auf ein Rettungsboot.

Nach CNN-Informationen waren die Scharfschützen per Hubschrauber an den Einsatzort geflogen worden. Der überlebende Pirat ist laut US-Medien erst 16 Jahre alt, die Getöteten waren zwischen 17 und 19 Jahre alt. US-Vizeadmiral William Gortney sagte, US-Präsident Barack Obama habe den Einsatz angeordnet, falls das Leben Phillips’ in Gefahr gerate. Nach der Rettungsaktion erklärte Obama, die USA würden weiter entschlossen gegen die Piraterie vor der somalischen Küste kämpfen. Vor dem Einsatz hatte die US-Armee nach eigenen Angaben an Bord der „Bainbridge“ mit einem der Piraten über eine Freilassung des Kapitäns verhandelt. Dessen Lösegeldforderung habe die US-Seite jedoch abgelehnt, sagte Gortney. Der Pirat sei daraufhin auf das von den Geiselnehmern genutzte Rettungsboot des Frachters „Maersk Alabama“ zurückgekehrt, die Situation habe sich zugespitzt.

Phillips wurde nach Angaben der US-Streitkräfte zunächst auf die „Bainbridge“ gebracht und von dort auf die „USS Boxer“ geflogen, wo er seine Familie anrief und medizinisch versorgt wurde. Er hatte sich nach dem Piratenangriff auf die „Maersk Alabama“ am Mittwoch als Geisel zur Verfügung gestellt, woraufhin der Frachter nach Kenia weiterfahren konnte.

Die Piraten kündigten Rache für den Tod ihrer Mitstreiter an. In einem Telefonat mit AFP sagte der im somalischen Eyl ansässige Piratenanführer Abdi Garad, seine Leute würden künftig vor allem US-Bürger angreifen und dies auch sehr weit von somalischen Gewässern entfernt. „Dadurch könnte die Gewalt in diesem Teil der Welt sprunghaft zunehmen, da besteht kein Zweifel“, kommentierte US-Vizeadmiral Gortney.

Insgesamt befinden sich derzeit mehr als 220 Seeleute in der Gewalt von Piraten. Bisher verliefen die Schiffsüberfälle meist unblutig, die Gefangenen wurden gut behandelt. Nach dem Tod von insgesamt fünf Piraten bei zwei militärischen Befreiungsaktionen innerhalb einer Woche könnte sich die Lage jedoch grundsätzlich ändern. Die Piraten sind zwar unpolitisch und vor allem an Geld interessiert, doch der Tod der Freibeuter durch US- Scharfschützen könnte radikalislamischen Milizen in Somalia neue Propagandaargumente verschaffen.

Die puntländische Regierung lobte die USA ausdrücklich für ihre harte Haltung gegenüber den Piraten in ihren Gewässern. Schon seit langem kritisieren die somalischen Behörden die hohen Lösegeldzahlungen an Piraten, die den Seeräubern nur eine weitere Aufrüstung mit immer schnelleren Booten, ausgefeilter Satellitentechnik und besseren Waffen ermöglicht. AFP/dpa

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