Pisa-Folgestudie : In Mathe wenig dazu gelernt

Schüler der Mittelstufe haben offenbar größere Schwierigkeiten in Mathematik und Naturwissenschaften. Das geht aus einer von der Kultusministerkonferenz vorgestellten Pisa-Folgestudie hervor.

Berlin - Der Studie zufolge verbesserte nur etwa die Hälfte der Schüler in zehnten Klassen innerhalb eines Jahres ihre Leistungen. Das Wissensniveau der anderen Schüler stagnierte oder fiel gar zurück. Ein Sprecher des Bildungsministeriums nannte die Ergebnisse "Besorgnis erregend". KMK-Präsidentin Ute Erdsiek-Rave (SPD) verlangte, Schüler künftig individueller zu fördern. Erziehungsverbände warnten derweil vor voreiligen Schlüssen.

Bei der Ergänzungsstudie mit dem Namen "Pisa-I-Plus" wurden 2004 insgesamt 6000 Schüler aus zehnten Klassen getestet, die bereits ein Jahr zuvor an der Pisa-Hauptstudie teilgenommen hatten. Von ihnen verbesserten im Fach Mathematik innerhalb eines Jahres nur 60 Prozent ihr Leistungsniveau. Acht Prozent der Schüler zeigten schwächere Leistungen, bei etwa einem Drittel stagnierten sie. In den naturwissenschaftlichen Fächern schnitten die Jugendlichen noch schlechter ab. Nur 44 Prozent konnten hier ihre Kenntnisse im Verlauf des Schuljahres verbessern, 19 Prozent schnitten schlechter ab.

Jusos fordern integrative Gemeinschaftsschulen

Erdsiek-Rave forderte als Konsequenz einen individuell zugeschnittenen Unterricht. Nur dieser berücksichtige heterogene Lernvoraussetzungen angemessen. Schavan will nun mehr Geld für die pädagogische Forschung bereit stellen. Die Jusos sehen als Ursache für den "völligen Entwicklungsstillstand" die Schulstruktur und fordern integrative Gemeinschaftsschulen, wie Juso-Chef Björn Böhning sagte.

Die Grünen verlangten eine Reform der Lehrerausbildung. Angehende Pädagogen müssten besser in Diagnostik und Methodik ausgebildet werden, sagte Grünen-Bildungsexpertin Priska Hinz. Die FDP schlug verbesserte Weiterbildungsangebote für Lehrer vor. Es sei unverantwortlich, dass viele Bundesländer hier die Mittel kürzten, sagte FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt.

Philologenverband beklagt Lehrermangel

Der deutsche Philologenverband warnte davor, die Ursache einseitig bei den Unterrichtsmethoden zu suchen. Vielmehr sei der Mangel an Lehrern das Problem, der in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften am größten sei, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger. Auch Unions-Bildungsexpertin Ilse Aigner (CSU) beklagte, der naturwissenschaftliche Unterricht werde in vielen Bundesländern vernachlässigt.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Ludwig Eckinger, warf der KMK "blanke Testeritis" ohne ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund vor. Und auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte, die Kultusminister hätten weder Ursachen noch Lösungen für den Missstand vorgelegt.

Internet: Die Pisa-Folgestudie

(Von Haiko Prengel, ddp)

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