Politik : Pisa, Iowa

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es ist natürlich Zufall, wenn die Hamburger Körber-Stiftung ihre Preise just auf dem Höhepunkt der Pisa-Debatte verleiht. Die Körber-Auszeichnungen prämieren Ideen für bürgerschaftliches Engagement, die in den USA umgesetzt werden und auch für Deutschland ein Anreiz sind. Das hat viel mit Bildung zu tun. Allerdings mit einer Art von Bildung, wie sie selten im Lehrplan steht und bei Pisa garantiert nicht abgefragt wurde.

„Service Learning“ ist so ein Begriff. Gleich mehrfach erhielten am Montag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt Ideen- und Text-Autoren Preise für ihre Beschreibung jenen sanften Drucks, mit dem amerikanische Schulen und Colleges ihre Zöglinge dazu bewegen, sich freiwillig für ihre Nachbarn zu engagieren. Jemand, auf den das tiefen Eindruck gemacht hat, ist Hans-Ulrich Klose, der Hamburger Ex-Bürgermeister und heutige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags.

Fast 50 Jahre ist es nun her, dass er ein Jahr an der High School der Kleinstadt Clinton in Iowa verbracht hat. Für ihn sei das ein wichtiger Anschub gewesen, in die Politik zu gehen, berichtet er. Auch das kann Ergebnis einer Bildungserfahrung sein. Die häufigste Frage, die Klose damals in Iowa gestellt bekam, lautete: Warum gehen in Deutschland Jungen und Mädchen nicht gemeinsam zur Schule? Tja. Heute hat Amerika mehr getrennte Lehranstalten als die Bundesrepublik. Hier hat sich etwas geändert. Doch im Erlernen unbezahlter sozialer Dienstbereitschaft haben die USA weiter die Nase vorn. Klose sollte vielleicht ein Pisa über sein Iowa anregen. Robert von Rimscha

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