Politik : Pisa: Länder für Einigung

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Berlin (rt/kög). Auf der Suche nach Lösungen für die deutsche Schulkrise bewegen sich die politischen Parteien aufeinander zu. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sprach sich für regelmäßige innerdeutsche Schulvergleiche aus. Bayerns Schulministerin Monika Hohlmeier (CSU) votierte sogar für ein bundesweit einheitliches Niveau der Schulprüfungen und kündigte weitere Reformen an. Deutschland müsse bei den Schulleistungen „aus der Zweitklassigkeit heraus“, forderte Müntefering am Montag:

Damit reagierten die Politiker auf die Ergebnisse des Schulleistungsvergleichs der deutschen Bundesländer (Pisa), die am Wochenende bekannt geworden waren. Danach liegt Bayern in den meisten Bereichen deutlich vorn und kann als einziges Bundesland auch international einigermaßen mithalten. Im Gymnasialvergleich holen die SPD-geführten Länder auf.

Brandenburgs Schulminister Steffen Reiche (SPD), dessen Land sehr schlecht abgeschnitten hat, sprach sich für einheitliche nationale Bildungsstandards aus, wie von den Kultusministern kürzlich beschlossen. Darüber hinaus müsse es bundesweite Mindestanforderungen auch bei den Bildungsausgaben und der Ausstattung der Schulen geben. Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat vor einer Überbewertung der deutschen Pisa-Ergebnisse gewarnt. „Die Ergebnisse sind nicht so eindeutig, wie sie in den Medien oft dargestellt werden“, sagte Klemm. Weder Lehrer noch Schüler seien irgendwo fauler, fleißiger oder dümmer als anderswo.

Unterschiedliche Meinungen bestimmen dagegen das Thema Zentralabitur. Während Sachsens Wissenschaftsminister Matthias Rößler dies als eine Ursache für Sachsens relativ gutes Abschneiden lobt und auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen will, hält Klemm das für unnötig.

Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will das Zentralabitur dagegen einführen und stellte Details vor. Danach starten die ersten Zehntklässler im Schuljahr 2003/2004 mit der kürzeren Abiturlaufbahn. Im Frühjahr 2006 gibt es dann die berlinweite Premiere-Prüfung in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie einer Fremdsprache. Geplant sind drei schriftliche sowie zwei mündliche Prüfungen. Nach Angaben von Böger soll künftig das Überspringen von Jahrgangsstufen ab der 9. Klasse stärker gefördert werden: „Mit dem neuen abgemilderten Zentralabitur soll es künftig verlässlichere Bildungsmaßstäbe in Berlin geben.“

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