Politik : Pisa: Parteien gehen aufeinander zu

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Berlin. Auf der Suche nach Lösungen für die deutsche Schulkrise bewegen sich die politischen Parteien aufeinander zu. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sprach sich für regelmäßige innerdeutsche Schulvergleiche aus. Bayerns Schulministerin Monika Hohlmeier (CSU) votierte sogar für ein bundesweit einheitliches Niveau der Schulprüfungen. Deutschland müsse bei den Schulleistungen „aus der Zweitklassigkeit heraus“, forderte Müntefering.

Damit reagierten die Politiker auf die Ergebnisse im Schulleistungsvergleich der Bundesländer (Pisa), die am Wochenende bekannt geworden waren. Danach liegt Bayern vorn und kann als einziges Bundesland auch international einigermaßen mithalten. Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) sagte dem Tagesspiegel: „Aus meiner Sicht ist es die größte Dummheit, die wir machen können, die Ergebnisse von Pisa als Knüppel zu benutzen, um aufeinander einzuschlagen. Wir dürfen uns nicht über die Frage zerstreiten, wer ein, zwei oder drei Meter unter dem Wasserspiegel schwimmt, Mittelfeld sind wir alle.“

Die Bundesländer kündigten Änderungen ihrer Schulpolitik an. Übereinstimmend setzen SPD- wie unionsgeführte Länder auf mehr Sprachförderung in Kindergarten und Grundschule. Dies kündigten sowohl Gabriel und Nordrhein-Westfalens Kultusministerin Gabriele Behler (SPD) als auch Annette Schavan (CDU) aus Baden-Württemberg an. Schavan strebt wie die Mehrheit der Länder einen bedarfsgerechten Ausbau der Angebote von Ganztagsschulen an. Brandenburgs Schulminister Steffen Reiche (SPD), dessen Land schlecht abgeschnitten hat, sprach sich für einheitliche nationale Standards aus.

Unterschiedliche Meinungen gibt es beim Thema Zentralabitur. Während Sachsens Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) dies als eine Ursache für Sachsens gutes Abschneiden lobte und auf das ganze Bundesgebiet ausdehnen will, hält der Bildungsforscher Klaus Klemm das für unnötig: „Einheitliche Anforderungen reichen.“

Berlins Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will das Zentralabitur dennoch einführen. Im Frühjahr 2006 gibt es die Premiere-Prüfung in Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache. Geplant sind drei schriftliche und zwei mündliche Prüfungen. „Mit dem abgemilderten Zentralabitur soll es verlässlichere Bildungsmaßstäbe geben“, sagte Böger. Zudem soll das Überspringen von Jahrgangsstufen ab der 9. Klasse gefördert werden. A.Kögel/M.Oloew/B.Schubert

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