• Pjöngjang erklärt Seegrenze zum Süden für ungültig, Seoul ist nicht zu Verhandlungen über Demarkationslinie bereit

Politik : Pjöngjang erklärt Seegrenze zum Süden für ungültig, Seoul ist nicht zu Verhandlungen über Demarkationslinie bereit

Nordkorea hat am Donnerstag die Demarkationslinie im Gelben Meer gegenüber dem verfeindeten Südkorea für ungültig erklärt und einseitig eine neue Grenze im Gelben Meer verkündet. Der Generalstab der Armee teilte über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA mit, die Regierung betrachte ab sofort die so genannte Northern Limit Line (NLL) nicht länger als gültig. Nordkorea werde die neue Demarkationslinie "auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Methoden" verteidigen. Zur Begründung hieß es, die NLL sei einseitig von den USA in nordkoreanischen Gewässern gezogen worden.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium wies die Erklärung aus Pjöngjang umgehend zurück. Südkoreas Wille zur Verteidigung des Gebiets sei ungebrochen. Im Juni war es erstmals seit der Teilung der Halbinsel 1945 zu einem Seegefecht gekommen, nachdem nordkoreanische Kriegsschiffe die Linie passiert und sich nach wiederholten Warnungen nicht zurückgezogen hatten. Die südkoreanische Marine versenkte ein Torpedoboot; dabei wurden vermutlich rund 30 Soldaten getötet.

In Tokio beriet unterdessen der südkoreanische Ministerpräsident Kim Jong Pil mit seinem japanischen Kollegen Keizo Obuchi über einen möglichen neuen Raketentest Nordkoreas. Obuchi sagte, falls Nordkorea auf den Test verzichte, könnten Japan, Südkorea und die USA ihre Haltung ändern, was die Lage in dem kommunistischen Land verbessern würde. Am Montag gab eine südkoreanische Hilfsorganisation die Zahl der Hungertoten in Nordkorea seit 1995 mit 3,5 Millionen an. Im August vergangenen Jahres zündete Nordkorea eine Rakete, die hinter Japan im Pazifik niederging. Seit Wochen verdichten sich die Gerüchte, das Land wolle eine Rakete mit noch größerer Reichweite testen.

Beim Besuch des russischen Verteidigungsministers Igor Sergejew in Seoul stand die Erwartung eines neuen Raketentests ebenfalls im Mittelpunkt. Sergejew und sein südkoreanischer Kollege Cho Sung Tae erklärten, sie wollten den Test gemeinsam verhindern. Während ihres Treffens unterzeichneten sie ein Abkommen über verstärkte militärische Zusammenarbeit. Es sieht unter anderem den Austausch von Offizieren und gemeinsame Bergungsübungen auf See vor. Die Minister besprachen auch den Export russischer U-Boote und anderer Waffensysteme. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete aus Moskau, Russland werde drei U-Boote der Amur-Klasse liefern.

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