Politik : PKK-Angriffe: Schickt Ankara jetzt Truppen?

Susanne Güsten (mit Afp/dpa)

Istanbul - Eine türkische Militärintervention im Norden Iraks rückt näher. Bei einem neuen Anschlag der von Nordirak aus operierenden Kurdenrebellen von der PKK starben in der Nacht zum Sonntag mindestens zwölf türkische Soldaten und 32 PKK-Kämpfer. Rund 200 Rebellen griffen einen Militärkonvoi in der Provinz Hakkari an der Grenze zum Irak mit Raketenwerfern an und sprengten eine Brücke. Die Gefechte in der Region dauerten am Nachmittag noch an. Die Spitzen von Regierung und Armee in der Türkei wollten bei einem Krisentreffen am Sonntagabend über eine Reaktion beraten. Das türkische Parlament hatte vor wenigen Tagen grünes Licht für einen Einmarsch nach Nordirak gegeben.

Die PKK hat in den vergangenen Wochen ihre Gewaltaktionen auf türkischem Territorium erheblich ausgeweitet. Der Angriff in Hakkari war der größte seit Jahren und ereignete sich nur wenige Kilometer von der irakischen Grenze entfernt. Die PKK selbst erklärte, die türkischen Soldaten hätten die Grenze nach Irak überschreiten wollen und seien deshalb von den Rebellen angegriffen worden. Nach Auffassung von Sicherheitsexperten will die PKK einen türkischen Einmarsch in den Irak provozieren, um ihren in jüngster Zeit geschwundenen Rückhalt bei den türkischen Kurden wieder zu stärken. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwoch vom Parlament die Vollmacht erhalten, eine grenzüberschreitende Militäraktion anzuordnen.

Das irakische Parlament verurteilte am Sonntag die türkischen Interventionspläne mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Sie widersprächen „gut nachbarlichen Beziehungen“. Während der nordirakische Kurdenführer Barsani eine Auslieferung von PKK-Chefs ausschloss, rief Parlamentspräsident al Maschhadani bewaffnete PKK-Leute auf, den Irak zu verlassen. Susanne Güsten (mit Afp/dpa)

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