Exklusiv

Plagiat : Universität Heidelberg will Koch-Mehrin Doktortitel aberkennen

Mehrere Plagiatsvorwürfe werden gegen die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin erhoben. Jetzt droht ihr die Aberkennung ihres Doktortitels.

von
FDP-Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments: Silvana Koch-Mehrin.
FDP-Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments: Silvana Koch-Mehrin.Foto: dpa

Kurz vor dem FDP-Parteitag in Rostock muss die FDP ein weiteres Problem verkraften: Die Universität Heidelberg will offenbar der Europapolitikerin und bisherigen Vorzeigeliberalen Silvana Koch-Mehrin den Doktortitel aberkennen. Auf der Internetseite „Vroniplag“ hatten Plagiatsjäger auf 63 Seiten ihrer wirtschaftsgeschichtlichen Dissertation zur Lateinischen Münzunion angeblich unzureichend gekennzeichnete Textstellen zusammengetragen. Am Dienstag nun wurde bekannt, dass Koch-Mehrin kürzlich von ihrer Uni Post bekommen hat: Sie soll zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

An der Uni wiegelt man ab. Die Aufforderung habe für das weitere Verfahren nichts zu bedeuten. Nach Tagesspiegel-Informationen aber hat der zuständige Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät unter Leitung des Historikers Manfred Berg bereits Paragraf 22, Absatz zwei, der Promotionsordnung im Auge, wonach der Titelentzug nur möglich sein soll, wenn der Betroffene zuvor angehört worden ist. Hätte sich der Plagiatsverdacht erledigt, wäre eine Anhörung auch überflüssig geworden. Auch die Uni hatte betont, sie wolle Koch-Mehrin nur anhören, wenn sich der Verdacht erhärte. So muss die einstige Hoffnungsträgerin fürchten, dass es eng wird für sie.

Wenn die Stellungnahme vorliegt, soll schnell über die mögliche Aberkennung entschieden werden. Dazu verweist die Promotionsordnung auf das Verwaltungsverfahrensgesetz des Landes Baden-Württemberg, das die Rücknahme rechtswidriger Verwaltungsakte regelt. Analog zum Fall Guttenberg könnte der Politikerin damit ihr Titel entzogen werden. Denn Koch-Mehrin hatte bei Einreichen der Dissertation erklären müssen, diese „selbständig angefertigt, nur die angegebenen Hilfsmittel benutzt und die Zitate gekennzeichnet“ zu haben. Auf den Nachweis einer vorsätzlichen Täuschung käme es dann nicht an. Die Uni Heidelberg prüft die Vorwürfe gegen die Vizepräsidentin des Europaparlaments seit Mitte April, spätestens Anfang Juni will der Fakultätsausschuss sein Ergebnis vorstellen. Guttenberg hatte zuletzt kaum noch Versuche unternommen, den Titel und seine Reputation in der Doktorfrage zu retten. Seine politische Karriere ist vorerst beendet. Ob Koch-Mehrin kämpfen will und ob eine Aberkennung Auswirkungen auf ihre FDP-Karriere hätte, ist offen.

93 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben