Plagiatsverfahren : Uni Potsdam nimmt sich Althusmanns Doktorarbeit genau vor

Bernd Althusmann, Präsident der Kultusministerkonferenz, soll es mit den Zitaten in seiner in seiner Doktorarbeit nicht so genau genommen haben. Seine Uni will der Sache auf den Grund gehen. Den CDU-Politiker lässt das kalt.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann gestikuliert am Mittwoch im Landtag in Hannover während einer Pressekonferenz zum Plagiatsverdacht gegen ihn.
Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann gestikuliert am Mittwoch im Landtag in Hannover während einer Pressekonferenz zum...Foto: dpa

Die Universität Potsdam hat ein Plagiatsverfahren gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) eingeleitet. In einer Vorprüfung habe der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften festgestellt, „dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten“, teilte die Universität am Mittwoch mit.

Nun werde die Arbeit einem formellen Untersuchungsverfahren unterzogen. Die Universität kündigte eine sorgfältige Prüfung der Vorwürfe an. Eine Untersuchungskommission wird sich voraussichtlich am 26. August erstmals mit der Arbeit des Christdemokraten befassen.

Das Gremium werde die Dissertation „so schnell wie möglich und sorgfältig wie nötig prüfen.“ Allerdings könne eine solche Prüfung „eine Sache von Wochen oder Monaten sein“, sagte eine Sprecherin der Universität.

Althusmann reagierte gelassen. Von seiner Seite habe es keinen Täuschungsversuch gegeben, sagte er im Vorfeld. Er selbst habe die Universität Potsdam gebeten, umgehend eine Prüfung einzuleiten. CDU-Politiker Althusmann, derzeit auch Präsident der Kultusministerkonferenz, soll in seiner 2007 abgeschlossenen Dissertation viele Textstellen, die aus Werken anderer Autoren übernahm, nicht korrekt als Zitate gekennzeichnet haben.

Am Mittwoch räumte er zwar handwerkliche Fehler ein, wies eine bewusste Täuschung aber zurück. „Ich habe in keiner Weise versucht, weder die Doktorväter, noch die Öffentlichkeit zu täuschen“, sagte er. Er habe sich an die üblichen Zitierregeln der Fakultät gehalten.

Einen Rücktritt lehnte Althusmann vorerst ab. Er sei sich sicher, weiterhin „mit gutem Gewissen Bildungsfragen vertreten“ zu können. „Man muss einem Politiker auch mal zugestehen, dass er Arbeiten nicht nur mit summa cum laude abschließt, sondern eine ausreichende Leistung vorgelegt hat“, sagte er.

Die Prüfung seiner Dissertationsschrift übernimmt nun die siebenköpfige „Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“.

Anders als bei Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und der liberalen Europaparlamentarierin Silvana Koch-Mehrin waren dieses Mal nicht „Plagiatsjäger“ aus dem Netz am Werk: Die Wochenzeitung „Die Zeit“ meldete Anfang Juli Zweifel an Althusmanns Doktorarbeit an. Der Zeitung liegen umfangreiche Dokumente vor, denen zufolge Althusmann, beim Abfassen seiner Doktorarbeit „seine Sorgfaltspflicht verletzt“ und im großen Stil gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen habe.

Die Dokumente der Zeitung werden bei der Prüfung durch die Kommission der Universität mit einbezogen. Althusmann hatte seine Promotion 2007 neben seiner Tätigkeit als parlamentarischer Staatssekretär der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag an der Universität Potsdam eingereicht. (Tso/dapd)

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