Plagiatsvorwürfe : Ministerin Schavan will im Amt bleiben

Druck auf Annette Schavan: Das Gremium, das die Plagiatsvorwürfe gegen die Forschungsministerin untersucht, steht geschlossen hinter einem Verfahren zur möglichen Aberkennung des Doktortitels. Schavan weist die Plagiatsvorwürfe erneut zurück.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) spricht am 20.05.2012 in Erfurt bei der Preisverleihung zum Bundeswettbewerb "Jugend forscht".
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) spricht am 20.05.2012 in Erfurt bei der Preisverleihung zum Bundeswettbewerb...Foto: dpa

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die gegen sie erhobenen Plagiatsvorwürfe erneut zurückgewiesen. Sie habe ihre Doktorarbeit „nach bestem Wissen und Gewissen erstellt“, sagte Schavan der Tageszeitung „Die Welt“ vom Montag. Zugleich bestritt sie Rücktrittsgedanken. „Ich möchte Ministerin bleiben über die Bundestagswahl hinaus“, sagte Schavan. Sie erfahre „ungewöhnlich viel Ermutigung und Unterstützung in der Wissenschaft, der Politik und einer breiten Öffentlichkeit“.
Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema „Person und Gewissen“ aus dem Jahr 1980 getäuscht zu haben. Die Universität Düsseldorf prüft derzeit, ob Schavan Zitate in ihrer Doktorarbeit nicht hinreichend kenntlich machte und dabei bewusst täuschte.

Das bislang zuständige Gremium, der Promotionsausschuss, steht einem Bericht des Magazins „Spiegel“ zufolge geschlossen hinter einem Verfahren zur möglichen Aberkennung des Doktortitels der Ministerin. Das Gremium verzichtete demnach auch darauf, zusätzlich zur Expertise seines Vorsitzenden Stefan Rohrbacher weitere Gutachten einzuholen.
Rohrbacher stellte bei Schavan laut „Spiegel“ eine „leitende Täuschungsabsicht“ fest. Er steht dem Promotionsausschuss vor, dessen Mitglieder teilweise auch im Fakultätsrat sitzen. Dieser soll sich am 22. Januar mit der Frage befassen, ob das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels eröffnet wird. Am 25. Januar will Schavan von ihrem baden-württembergischen CDU-Kreisverband bei einer Versammlung in Ulm erneut als Kandidatin für das örtliche Bundestagsmandat nominiert werden. Im Jahr 2008 stellte sie die dortige Partei mit 57 Prozent der Stimmen auf.

Schavan erinnerte im Gespräch mit der „Welt“ daran, dass zu einem fairen Verfahren auch Diskretion gehöre. „Deshalb habe ich in der Öffentlichkeit im Wesentlichen geschwiegen und werde das auch weiterhin tun“, sagte sie. „Wenn die Universität es anders handhabt, gilt: Jeder trägt Verantwortung für das, was er öffentlich sagt“, fügte sie hinzu. Zuletzt hatte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles für den Fall, dass sich die Plagiatsvorwürfe gegen Schavan bestätigen, den Rücktritt der Ministerin gefordert. Sie sei in dann „als Wissenschaftsministerin untragbar“, sagte Nahles der „Bild am Sonntag“.

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