Plagiatsvorwürfe : Schavan geht in die Offensive

Die Bildungsministerin Annette Schavan muss um ihren Doktortitel bangen. Dennoch zeigt sie sich überzeugt, dass die Plagiatsvorwürfe gegen sie ausgeräumt werden. Auch Kanzlerin Angela Merkel gibt der Politikerin Rückendeckung.

Gegen sie wird ein Plagiatsverfahren eröffnet: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)
Gegen sie wird ein Plagiatsverfahren eröffnet: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)Foto: dpa

Nach der Einleitung eines Verfahrens zum Entzug ihres Doktortitels geht Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in die Offensive. „Ich bin davon überzeugt, dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden“, erklärte Schavan nach der Entscheidung der Universität Düsseldorf am Mittwoch in Berlin. Rückendeckung erhielt sie aus der schwarz-gelben Koalition, Kritiker sehen indes ihre Integrität beschädigt.
Sie habe sich in den acht Monaten seit Bekanntwerden der Vorwürfe intensiv mit dem Text ihrer Dissertation befasst und mit zahlreichen Fachwissenschaftlern gesprochen, erklärte Schavan. Sie sehe sich dadurch in ihrer Überzeugung bestärkt, „dass meine Dissertation kein Plagiat ist“. Sie hoffe, „dass mit der Eröffnung eines ergebnisoffenen Verfahrens jetzt auch verbunden ist, externe Fachgutachten einzuholen“, fügte Schavan an die Adresse der Universität Düsseldorf hinzu. Ein Ministeriumssprecher sagte in Berlin auf die Frage, ob Schavan an Rücktritt gedacht habe: „Diese Frage hat sich nicht gestellt.“ Schavan wird vorgeworfen, in ihrer Doktorarbeit zum Thema „Person und Gewissen“ aus dem Jahr 1980 falsch zitiert und Quellen nicht genannt zu haben. Das zuständige Gremium der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend beschlossen, ein formales Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels einzuleiten. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass Schavan ihren Titel verliert. Die Prüfer könnten auch zu dem Schluss kommen, dass für einen Entzug keine ausreichenden Gründe vorliegen.
Wie lange das Verfahren dauern wird, ist unklar. Der zuständige Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät soll am 5. Februar erneut über den Fortgang beraten. Bis dahin sollen die Unterlagen der Promotionskommission und eine Stellungnahme Schavans gesichtet werden. Die Promotionskommission hatte die Einleitung des Verfahrens empfohlen, Berichten zufolge aber die Vorwürfe gegen die Ministerin zuletzt abgeschwächt.
Rückendeckung erhielt Schavan von der Bundesregierung. Bis die Entscheidung der Universität gefällt sei, gelte Schavan als unschuldig, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe „volles Vertrauen in ihre Arbeit“.

Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) forderte die Universität zu einem „fairen Umgang“ mit der Ministerin auf. Rücktrittsforderungen an Schavan seien angesichts des laufenden Verfahrens „gänzlich fehl am Platze“, erklärte auch der FDP-Forschungspolitiker Martin Neumann.

Die Oppositionsparteien hielten sich mit direkten Rücktrittsforderungen zunächst zurück. Grünen-Chefin Claudia Roth sah aber durch das eingeleitete Verfahren die Glaubwürdigkeit der Ministerin beschädigt. „Wenn Annette Schavan der Doktortitel aberkannt werden würde, wäre ihr Verbleib im Amt ein Bärendienst an der Wissenschaft“, sagte Roth der „Welt“ (Donnerstagsausgabe).

Bei einer Wissenschaftsministerin müssten die höchsten Standards gelten, nicht die niedrigsten, sagte SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner dem „Handelsblatt“. „Wenn die erhobenen Vorwürfe in einem Aberkennungsverfahren bestätigt werden, wird Frau Schavan selbst die Konsequenzen ziehen“, erklärte die Linken-Abgeordnete Petra Sitte.

Der Historiker Paul Nolte sprach sich dafür aus, im Fall Schavan über eine Verjährung nachzudenken. Eine Promotion sei 1980 „etwas anderes“ gewesen, sagte Nolte im Deutschlandradio Kultur mit Blick auf sich verändernde Fach- und Zitierkulturen.

(AFP)

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