Politik : Plan B für den Irak

Mehrere „Konzepte“ für einen Teilabzug sind im Gespräch – Bush hält vorerst an einer Aufstockung fest

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Zusätzliche 100 Milliarden Dollar hat der Kongress für Material und Truppen im Irakkrieg bewilligt. Foto: AFPDOD

Washington - Das Weiße Haus denkt offenbar darüber nach, im kommenden Jahr die Hälfte seiner Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Es gebe mehrere „Konzepte“, die Zahl der US-Soldaten im Irak auf etwa 100 000 zu verringern, berichtet die „New York Times“ in ihrer Internetausgabe. Dadurch würde der Plan von US-Präsident George W. Bush durchkreuzt, der die Truppe aufstocken will.

Bush hatte im Januar angekündigt, er wolle rund 30 000 weitere Soldaten in den Irak entsenden. Am Freitag unterzeichnete Bush ein Gesetz zur Gewährung von weiteren 100 Milliarden Dollar für den Irakkrieg, nachdem zuvor Repräsentantenhaus und Senat dem Gesetz zugestimmt hatten, und zwar ohne dass darin, wie von den oppositionellen Demokraten ursprünglich gefordert, ein Zeitplan für einen Abzug aus dem Irak enthalten wäre. Das Geld soll unter anderem dazu dienen, den Aufstand in der Hauptstadt Bagdad und der Provinz Al Anbar in den Griff zu bekommen. Am Freitagabend wurden wieder drei US-Soldaten getötet, wie ein Militärsprecher am Samstag mitteilte – der Mai könnte danach mit mehr als 90 getöteten US-Soldaten einer der blutigsten Monate für die US-Truppen seit dem Einmarsch 2003 im Irak werden.

Nach der Abzeichnung des US-Haushalts für den Militäreinsatz im Irak nannte Kubas Staatschef Fidel Castro den US-Präsidenten eine „apokalyptische Persönlichkeit“. Bush habe sich gerühmt, den Kampf gegen seine Gegner im Kongress gewonnen zu haben, schrieb Castro in einem Presseartikel vom Freitag unter dem Titel „Überlegungen des Oberkommandierenden“. Bush habe jetzt 100 Milliarden Dollar, um die Entsendung von US-Soldaten zu verdoppeln und Massaker zu begehen. „Die Probleme in der Region werden sich verschlimmern“, schrieb der erkrankte kubanische Revolutionsführer, der sich nach einer schweren Darmoperation im vergangenen Juli aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und die Amtsgeschäfte vorübergehend seinem Bruder Raúl überlassen hatte.

Die „NYT“ berichtete weiter, dass die US-Regierung vielleicht vor allem deshalb über einen Teilabzug nachdenke, weil der von den Demokraten beherrschte Kongress Druck ausübe. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Präsident die derzeitige Aufstockung der Truppe abbrechen wolle. Zu den Befürwortern einer kleineren US-Truppe gehören der Zeitung zufolge aber Verteidigungsminister Robert Gates und Außenministerin Condoleezza Rice. Die führenden Kommandeure im Irak seien hingegen nicht in die Planungen einbezogen.

Unterdessen haben die US-Truppen im Irak einen Extremistenanführer festgenommen, der Verbindungen zum iranischen Militär haben soll. Der Mann sei bei einem Gefecht im Bagdader Schiiten-Viertel Sadr gefangen genommen worden, bei dem fünf Extremisten getötet wurden, teilte das US-Militär am Samstag mit. Er sei ein Kontaktmann für einen Offizier der iranischen Revolutionsgarden. AFP/rtr

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