Politik : Plan Chávez

Kolumbianische Farc-Guerilla will Geiseln freilassen – Bogotá erteilt Flugerlaubnis

Michael Schmidt

Berlin - In Kolumbien ist eine internationale „humanitäre Operation“ zur Freilassung von drei Geiseln der marxistischen Farc-Guerilla angelaufen, die möglicherweise schon an diesem Freitag, spätestens aber am Wochenende zum Abschluss kommen soll. Die Regierung des konservativen Präsidenten Alvaro Uribe in Bogotá stimmte einem entsprechenden Plan von Venezuelas linksnationalistischem Staatschef Hugo Chávez zu. Chávez erklärte, Vertreter von acht Ländern, darunter Frankreich, Kuba, Brasilien und Argentinien, würden mit venezolanischen Maschinen nach Kolumbien fliegen und die drei Geiseln in einem Urwaldgebiet in Empfang nehmen.

Unter den „Garanten“, die vor Ort den Erfolg der Aktion sichern wollen, werden der frühere argentinische Staatspräsident Néstor Kirchner und Außenminister Jorge Taiana sein. Sie sollten am Donnerstag nach Venezuela und von dort zusammen nach Kolumbien fliegen, teilte die Regierung in Buenos Aires mit. Bogotá machte nur die Auflage, dass die Maschinen, die nach Kolumbien fliegen, das Zeichen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz tragen sollen. Chávez meinte, er selbst werde nicht nach Kolumbien fliegen.

Man bedanke sich bei der Regierung Venezuelas für die Vermittlung, sagte am Mittwoch Kolumbiens Außenminister Fernando Araujo. Chávez hatte Bogotá zuvor um Erlaubnis zur Ausführung der Operation gebeten. Kolumbiens Präsident Uribe hatte Chávez erst vor fünf Wochen das Mandat für Bemühungen um die Freilassung von Geiseln der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) entzogen. Die Farc teilten allerdings wenig später mit, sie wollten aus Solidarität zu Chávez drei Geiseln freilassen, die sie seit sechs Jahren in ihrer Gewalt halten. Bei den Geiseln handelt es sich unter anderen um die Wahlkampfchefin der vor sechs Jahren ebenfalls verschleppten damaligen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, Clara Rojas. Freikommen soll auch Rojas dreijähriger Sohn Emmanuel, der während der Gefangenschaft mit einem Guerillero gezeugt wurde, sowie die ehemalige Abgeordnete Consuelo González. In den vergangenen Tagen teilten die Farc mit, man sei bereit, in nächster Zeit bis zu 50 Geiseln freizulassen. Darunter seien neben Betancourt auch drei US-Bürger sowie mehrere kolumbianische Politiker und Militärs. Im Gegenzug müssten aber 400 bis 500 hinter Gittern sitzende Guerilleros auf freien Fuß gesetzt werden. Chávez äußerte in Caracas die Hoffnung, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch Ingrid Betancourt, freigelassen werde könnte.

In Kolumbien mit seinen mehr als 44 Millionen Einwohnern herrscht seit mehr als vier Jahrzehnten die Gewalt – zwischen linken Guerilleros, rechten Paramilitärs und dem staatlichen Militär. Die Farc, älteste und mit schätzungsweise 15 000 bis 20 000 Kämpfern die größte Guerillagruppe, entstanden zwischen 1948 und 1958, als sich Liberale und Konservative einen Bürgerkrieg lieferten – als Selbstschutz drangsalierter Bauern. Inzwischen aber haben sie, die sich vor allem durch Entführungen sowie Drogenanbau und -handel finanzieren, in der Bevölkerung jeglichen Rückhalt verloren. Die angekündigte Freilassung der Geiseln dürfte als Versuch zu verstehen sein, die Totalisolation zu vermeiden und Präsident Uribe durch Entgegenkommen zu Entgegenkommen zu bewegen. mit dpa

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