Plan nach Anschlagsversuch : Koalition will Nacktscanner an Flughäfen

Die schwarz-gelbe Koalition ist für den Einsatz so genannter Nacktscanner an deutschen Flughäfen. Die Geräte sind aber derzeit noch im Test. Das Innenministerium kündigt an: Handgepäck wird öfter untersucht, und es gibt mehr Leibesvisitationen.

Ralf Nestler,Christian Tretbar

Berlin - Nach dem gescheiterten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug in Detroit hat das Innenministerium die Sicherheitsstandards auf deutschen Flughäfen noch einmal deutlich verschärft. Zugleich zeigt sich die schwarz-gelbe Koalition offen für den Einsatz von Körperscannern. „Die Bundesregierung nimmt den Anschlagsversuch in den USA sehr ernst“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Insbesondere die Handgepäckkontrollen und Leibesvisitationen werden intensiviert. De Maizière empfahl, möglichst wenig Gepäck in die Kabine mitzunehmen. Es gebe jedoch keinen Grund, in Panik zu verfallen. Auch andere Länder erhöhten ihre Sicherheitsvorkehrungen.

Zur möglichen Nutzung von Scannern sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), dem Tagesspiegel: „Wenn die Technik praxistauglich ist, also schnell und zuverlässig arbeitet, sollten wir sie auch einsetzen.“ Voraussetzung dafür sei allerdings, dass man sich international, mindestens EU-weit darüber einige. Derzeit befinden sich die Geräte noch in einer Testphase. Auch die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger sprach sich für die Geräte aus, die auch nicht metallische Gegenstände, wie beispielsweise Flüssig- oder Plastiksprengstoff, erkennen können. Mit Letzterem wollte der 23-jährige Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab Weihnachten das Flugzeug in Detroit in die Luft sprengen. Skeptisch äußerten sich die Grünen zum Einsatz der Scanner.

Auch andere Maßnahmen werden jetzt verstärkt. Wie die Agentur ddp aus Sicherheitskreisen erfahren hat, sind mehr „Sky Marshalls“ in deutschen Flugzeugen im Einsatz. Diese in Zivil gekleideten Männer der Spezialeinheit GSG 9  werden besonders auf Flügen in die USA und nach Israel eingesetzt.

Allerdings gibt es auch Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen: „Es gibt eine besorgniserregend hohe Anzahl von Sicherheitslücken und Pannen“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, den „Stuttgarter Nachrichten“: „Bundespolizisten schleusen zu Testzwecken immer wieder Waffen oder Sprengstoffmaterial durch die Sicherheitskontrollen.“ Eine große Zahl von Waffen, die für Anschläge geeignet wären, bleibe dabei unentdeckt. Mitarbeiter der an Flughäfen eingesetzten privaten Sicherheitsdienste würden schlecht bezahlt und seien wenig motiviert.

In den USA untersuchen Ermittler, ob frühere Insassen des Gefangenenlagers Guantánamo aus dem Jemen und Saudi- Arabien, die 2007 freigelassen wurdne, an den Anschlagsplanungen beteiligt waren. Genau wie die amerikanischen halten auch deutsche Behörden das am Montagabend eingegangene Bekennerschreiben der Terrororganisation Al Qaida für glaubwürdig. Das Netzwerk kündigte darin auch neue Gewalttaten an: „Ihr werdet bekommen, was ihr fürchtet.“

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