Politik : Planspiel mit drei Problembären

In der CSU wird über Personalien spekuliert

Robert Birnbaum

Berlin - Michael Glos nahm die Nachricht von seiner bevorstehenden Ablösung mit brummelndem Humor: „Der Bär Bruno ist bis jetzt auch immer seinen Häschern entkommen.“ Das Bonmot am Rande des kleinen CSU-Parteitags in Amberg lag insofern nahe, als der Bundeswirtschaftsminister gerade erst in der „Bild“-Zeitung als „Problembär“ der Regierung porträtiert worden war. Dass Glos nach Bonmots zumute war, lag am Charakter jener „Wirtschaftswoche“- Meldung vom Samstag, in der es hieß, führende CSU-Leute suchten bereits nach einem Nachfolger. Die Namen, die genannt wurden – Audi-Chef Martin Winterkorn, Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer – entstammten zu deutlich wirtschaftsnahem Wunschdenken. „Wir holen uns doch keinen zweiten Professor Kirchhof ins Haus“, sagt einer aus der Parteispitze.

Ganz ohne realen Hintergrund freilich ist die Spekulation nicht. Glos tut sich im Ministeramt sichtlich schwer. Das gekonnte Doppelspiel aus vordergründiger Provokation und hintergründigem Strippenziehen, das ihn als Landesgruppenchef zum stärksten Mann der CSU in Berlin gemacht hatte, taugt nicht als Rollenmuster im Haus eines Ludwig Erhard. Selbst Wohlwollende bescheinigen Glos bestenfalls, er werde das schon noch lernen.

Andere glauben das nicht. Darum machen sie Glos – genauer: sein Amt – zum Gegenstand von Planspielen, in denen zwei weitere Problembären die Hauptrolle spielen: Edmund Stoiber und Horst Seehofer. Der eine, Stoiber, hat gerade in Amberg verkündet: „Wir liegen in den Umfragen klar über 50 Prozent.“ Nicht verkündet hat er, dass nach wie vor gut die Hälfte der Bayern von ihm selbst nichts mehr wissen will. Der andere, Seehofer, gilt als der derzeit Einzige in der CSU, der 2007 Anspruch auf den CSU-Vorsitz erheben könnte.

Eine Aussicht, vor der sich in München viele mehr fürchten als vor einer Begegnung mit dem echten „Bruno“. In der zweiten und dritten Reihe sinnt mancher deshalb auf Abhilfe für den Fall der Fälle. Die könnte, wenn Stoiber weiter schwächelt, nur in einer Alternative zu Seehofer bestehen. Und hier kommt Glos’ Posten ins Gedankenspiel. Seehofer erfüllt als Bundesminister in der stets auf ihre bundesweite Bedeutung pochenden CSU die Voraussetzung für eine Chef-Kandidatur. Wer auch immer ihn stoppen wollte, brauchte die gleiche formale Basis. Aber könnte nicht ein bundeserfahrener Christsozialer wie Erwin Huber, Stoibers Staatskanzleichef, einen starken Wirtschaftsminister abgeben? Ein Mann, den Angela Merkel zu ihrem Kanzleramtsminister machen wollte, um einen Minister Seehofer zu verhindern?

Ein Gedankenspiel, wie gesagt, und nicht auf höchster Ebene. Es fehlt ja auch vorerst an den Voraussetzungen für die Freigabe zum Abschuss. Denn, sagt ein CSUler: „Solange sich Stoiber hält, hält sich auch Glos.“

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