Politik : Platzt der Prozess zum Tod von Oury Jalloh?

Frank Jansen

Berlin/Dessau - Der Prozess zum mysteriösen Tod des Afrikaners Oury Jalloh in einer Polizeizelle in Dessau muss womöglich teilweise eingestellt werden. Vergangenen Donnerstag erlitt, wie jetzt bekannt wurde, der Hauptangeklagte Andreas S. einen Schlaganfall. Wie lange der Polizeihauptkommissar im Krankenhaus bleiben muss und die Rehabilitation dauern wird, ist unklar. Der Prozess könne vom letzten Verhandlungstag an, dem 28. März, bis zu neun Wochen unterbrochen werden, sagte am Dienstag ein Sprecher des Landgerichts Dessau. Sollte Andreas S. bis Ende Mai nicht wieder genesen sein, müsste der Prozess gegen ihn eingestellt und später neu aufgerollt werden. Das Gericht hat zunächst die geplanten Termine bis Ende April aufgehoben.

Oury Jalloh war im Januar 2005, an Händen und Füßen gefesselt, in einer Zelle des Polizeireviers Dessau bei einem Feuer ums Leben gekommen. Wie der Brand ausbrach, ist unklar. Jallohs Tod rief über Sachsen-Anhalt hinaus Entsetzen hervor, die Dessauer Polizei wurde hart kritisiert.Im März 2007 begann der Prozess gegen Andreas S. und den Polizeimeister Hans-Ulrich M. Die Staatsanwaltschaft wirft Andreas S., in der Brandnacht als Dienstgruppenleiter verantwortlich für die Gewahrsamszellen im Revier, Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor. Andreas S. soll sich zu spät zur Zelle mit dem brennenden Afrikaner begeben und dadurch dessen Tod mitverschuldet haben. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld. Sein Verteidiger sagte jetzt dem Tagesspiegel, Andreas S. wolle trotz des Schlaganfalls wieder rechtzeitig am Prozess teilnehmen, da er auf einen Freispruch hoffe und eine Einstellung unbefriedigend sei.

Der zweite Angeklagte ist laut Staatsanwaltschaft auch mitverantwortlich für Jallohs Tod. Der Polizist soll ein Feuerzeug übersehen haben, als er den Afrikaner nach der Einlieferung in die Zelle durchsuchte. Doch selbst die Anwälte der Nebenkläger – der Eltern und des Halbbruders Jallohs – sprechen sich inzwischen dafür aus, das Verfahren gegen Hans-Ulrich M. abzutrennen und ihn aus Mangel an Beweisen freizusprechen. Frank Jansen

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