Pofalla und die Basis : Miese Stimmung am Niederrhein

Pofallas möglicher Wechsel zur Bahn und sein Schweigen erzürnen CDU-Basis.

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Mag sich nicht erklären: Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Foto: dpa
Mag sich nicht erklären: Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Foto: dpaFoto: dpa

Düsseldorf - Ende November war die politische Welt am linken Niederrhein noch in Ordnung. CDU-Kandidat Ronald Pofalla hatte seinen Bundestagswahlkreis in der Heimat mit absoluter Mehrheit verteidigt. Die örtlichen Honoratioren aus dem beschaulichen Weeze hatten anschließend die Ehre, dem Kanzleramt die obligatorische Weihnachtstanne zu schenken. So entstanden stimmungsvolle Bilder mit der Kanzlerin und dem Chef ihres Amtes, die sich vor allem in den lokalen Medien schnell verbreiteten.

Obwohl sich inzwischen weite Teile des politischen Berlins Gedanken über die berufliche Zukunft des ehemaligen Kanzleramtsministers und Vertrauten von Angela Merkel machen, hat dieser sich entschieden, konsequent zu schweigen; alle Anfragen werden ablehnend beschieden. Den Parteifreunden am Niederrhein geht es ähnlich, auch sie rätseln seit dem Jahreswechsel, ob ihr langjähriger Abgeordneter schon zu Beginn der Legislaturperiode fahnenflüchtig werden könnte, weil er womöglich Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn wird.

Der eine oder andere rätselt allerdings nicht mehr, er zeigt sich sogar öffentlich ähnlich empört, wie sonst nur der politische Gegner. „Du hast Deine Wähler und die CDU im Kreis Kleve jämmerlich im Stich gelassen. Man könnte sagen, Du hast Deine Wähler betrogen“, schrieb ihm zum Beispiel Parteifreund Christoph Andreas aus Straelen. Und diese wenig schmeichelhaften Zeilen fanden – wie beabsichtigt – ihren Weg in die Öffentlichkeit. Seither werden sie immer wieder zitiert, um den Unmut über den altgedienten Weggefährten aus den eigenen Reihen zu untermauern. Eigentlich hatten die Parteifreunde darauf gesetzt, dass sich ihr Abgeordneter nun diesen Freitag auf Burg Boetzelaer einfindet, wo man den Schlussspurt für die Kommunalwahl einläuten will. Aber daraus wurde nichts. Pofalla werde, so hieß es, der Klausur fernbleiben, weil aus seiner Sicht nichts entschieden sei.

Das dürfte die Stimmung nicht gerade heben, zumal sich die erfolgsverwöhnte örtliche CDU auf den kommunalen Urnengang vorbereitet und fürchtet, ein möglicher Abgang könne die eigenen Chancen im Mai mindern. Seit Jahrzehnten hat sich die Region Kleve zu einer veritablen schwarzen Hochburg entwickelt. Allein Pofalla hat seinen Wahlkreis sechs Mal hintereinander direkt gewonnen; seit 1949 hatte die SPD nie eine Chance, ihre jeweiligen Bewerber durchzubringen.

Und noch etwas macht die Christdemokraten vor Ort betroffen. Am 13. Dezember saßen die regionalen Parteifürsten mit Pofalla zusammen. Dieser habe ihnen die Details der Koalitionsverhandlungen geschildert, erinnert sich der CDU-Kreisvorsitzende von Kleve und Landtagsabgeordnete Günther Bergmann: „Als er gegangen war, saßen wir anderen noch eine Weile zusammen. Dann kam ein Parteifreund ganz aufgeregt herein und sagte: Im Internet habe eine Regionalzeitung gemeldet, dass Pofalla nicht mehr Kanzleramtsminister sein will.“ Für die Runde war das ein Schock. Zum einen, weil ihr heißer Draht ins Kanzleramt abzukühlen drohte. Zum anderen, weil man bestürzt war, dass Pofalla in trauter Runde nichts über die Neuigkeit verlauten ließ.

Als dann am Jahreswechsel die Meldungen über den Wechsel zum Staatsunternehmen Bahn die Runde machten, gab es eine Flut von Mails und kritischen Anfragen aus den eigenen Reihen. Nach einer kleinen Weile der Sprachlosigkeit hat Bergmann inzwischen mit Pofalla geredet – und versucht, die Balance zwischen Kritik und Verständnis zu halten.

Ja, er sei auch „irritiert“, gibt Günther Bergmann zu, um dann allerdings eine andere Tonlage anzuschlagen. „Der Wahlkampf mit ihm war ein wahres Feuerwerk“, schwärmt Bergmann und betont, dass er als Unternehmensberater nicht grundsätzlich gegen den Personal- Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft sei. Dann ergänzt Bergmann jedoch: „Aber auf keinen Fall so kurz nach einer Bundestagswahl.“ Jürgen Zurheide

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