Politik : Poker um die Macht in Pakistan Musharraf verhandelt

mit Ex-Premier Bhutto

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Es ist alles andere als eine Liaison d’amour. Er hat sie öffentlich als „Diebin“ beschimpft, sie hasst Militärdiktatoren. Und doch verhandeln Pakistans Präsident Pervez Musharraf und Ex-Regierungschefin Benazir Bhutto derzeit über einen Pakt, um die Macht zu teilen.

Musharrafs Flirt mit Bhutto entspringt reiner Not. Seine Amtszeit als Präsident läuft im November aus, und er will wiedergewählt werden. Doch die Luft für den 64-jährigen, der sich vor acht Jahren unblutig an die Macht putschte, ist dünner denn je: Er hat laut Umfragen breit an Rückhalt verloren, der Widerstand gegen die Militärdiktatur wächst. Auch die USA drängen ihren Schlüsselverbündeten im Anti-Terror- Kampf, auf den Pfad der Demokratie zurückzukehren – und die Macht mit der populären Exil-Politikerin Bhutto und ihrer Partei PPP zu teilen.

Der Kern des avisierten Deals: Musharraf soll für weitere fünf Jahre Präsident bleiben, Bhutto soll aus dem Exil zurückkehren können und ein drittes Mal Regierungschefin werden. Für beides müsste jedoch die Verfassung geändert oder gebeugt werden. Der größte Stolperstein ist Musharrafs bisherige Doppelrolle als Militärchef und Präsident. Nicht nur die Verfassung verbietet diese Ämterhäufung, auch Bhutto fordert eine niet- und nagelfeste Erklärung, dass Musharraf die Uniform an den Nagel hängt. Am Samstag gerieten die Verhandlungen ins Stocken. Musharrafs Delegation sei wieder nach Pakistan für weitere Beratungen gereist, hieß es. Bhutto kündigte aus London an, selbst ohne eine Einigung nach acht Jahren Exil in ihr Land zurückzukehren.

Die Ex-Premierministern fühlt sich derzeit in der stärkeren Position. Forsch verkündete sie bereits, Musharraf sei willens, seinen Posten als Armeechef aufzugeben. Tatsächlich schließt Musharraf dies nicht aus – allerdings nur, wenn er absolut sicher ist, dass er als Präsident wiedergewählt wird. Und ob Bhutto, die derzeit im Exil lebt, mit ihrer Partei PPP seine Wiederwahl sichern kann, scheint angesichts der verworrenen Lage ungewiss. Zumal auch aus der PPP Kritik an einem dubiosen Deal mit der Militärdiktatur laut wird. Die Verhandlungen erschwert, dass sich beide kaum über den Weg trauen. Christine Möllhoff

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