Polen : Die Frau hinter dem Ministerpräsidenten

Bei diesem Paar hat jeder seinen eigenen Kopf: "Jeder von uns hat eine starke eigene Meinung zu jedem Thema und gibt sie nicht leicht auf", sagte Malgorzata Tusk in der polnischen "Gala". Die Frau des künftigen polnischen Ministerpräsidenten gibt sich offen.

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Marzorgina Tusk mit ihrem Ehemann und zukünftigem Regierungschef Donald. -Foto: AFP

Warschau"Auf alles, was uns in unserer Ehe nicht passt, reagieren wir sofort - und häufig sehr impulsiv." Donald Tusk steuert zu dieser Aussage seinen Teil bei: "Wir streiten leidenschaftlich, wie in einer italienischen Ehe."

Seit 29 Jahren sind die beiden Historiker miteinander verheiratet. Zwei Kinder, den Sohn Michal und die Tochter Katarzyna, haben sie großgezogen und gemeinsam auch schwierige Zeiten mit sehr wenig Geld überstanden. Nun erwartet ihn mit 50 Jahren das Amt des polnischen Regierungschefs. Die 49-jährige Malgorzata Tusk tritt als die Frau an seiner Seite ins Licht der Öffentlichkeit. Für die temperamentvolle und freimütige Danzigerin sicher keine einfach Rolle.

Geschichtsstudium führe sie zusammen

Beim Geschichtsstudium an der Danziger Universität lernten sich die beiden Ende der 1970er Jahre kennen. Nur drei Monate waren sie zusammen, schon wurde geheiratet - trotz der Bedenken von Malgorzatas Eltern. Die stammen aus der Region von Kielce in Südpolen. Ihr Vater war Marine-Offizier, ihre Mutter Lehrerin. Die Tochter wurde streng erzogen, musste jeden Abend um zehn zu Hause sein, auch als sie sich schon mit ihrem späteren Mann traf.

"Bücher waren meine Freiheit", sagt Malgorzata Tusk über ihre Jugend. Taschenweise schleppte sie Romane aus der Leihbibliothek nach Hause, darunter jede Menge französische Klassiker: Balzac, Stendhal, Proust. "Ich hatte einen Plan von Paris, den ich mir selber auf Karton gezeichnet hatte und darauf die Gassen, Boulevards, Plätze und Viertel, durch die sich meine Helden bewegten." Bei der Hochzeit war Malgorzata 21. Das junge Studentenpaar mietete ein Zimmer in Danzig Oliwia. Er erhielt nur eine Waisenrente von der Seite des früh verstorbenen Vaters. Sie bekam etwas Geld von den Eltern. Es reichte gerade für die Miete. Sie verdiente mit Nähen und Stricken dazu, Donald arbeitete am Wochenende auf den Werften.

Beide engagieren sich in der Opposition

Das Geschichtsstudium politisierte beide. Sie engagierten sich in der antikommunistischen Opposition, Donald allerdings intensiver als sie. Als die Solidarnosc als freie Gewerkschaft zugelassen wurde, bekam Malgorzata Arbeit in deren Sekretariat an der Universität, Donald bei einer Zeitschrift der Gewerkschaft. Doch als am 13. Dezember 1981 der Kriegszustand ausgerufen und die Solidarnosc verboten wurde, verlor das junge Paar Arbeit und Wohnung. Das Zimmer wurde gekündigt, weil Malgorzata schwanger war mit ihrem ersten Kind. Sie bekam bald eine Stelle in der Universitäts-Bibliothek.

Donald Tusk arbeitete in den folgenden Jahren als Anstreicher, Maurer und Zimmermann, auch im Ausland. Auf die Frage, warum sie selber nicht in die Politik gegangen sei, antwortete Malgorzata Tusk vor zwei Jahren, als ihr Mann für das Amt des Staatspräsidenten kandidierte: "Ein Politiker im Haus reicht." Ihre Rolle sehe sie darin, ihrem Mann vor allem den Rücken zu stärken. "Wenn er gewinnt, wird er Unterstützung und Wärme brauchen, denn die Welt der großen Politik ist kalt wie ein Gletscher."

Träume scheitern an Realität

Ihre intellektuelle Leidenschaft sind die vorkolumbianischen Kulturen der Azteken und Majas. Als Schülerin träumte sie davon, nach Mexiko zu gehen und dort am Museum zu arbeiten. "Aber das Leben hat meine Träume korrigiert." Malgorzata Tusk liebt lateinamerikanische Literatur und tanzt gern Flamenco. In ihrer gemeinsamen Freizeit gehen die Tusks am liebsten ins Kino. (mit AFP)

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