Politik : Polen: Ex-Parteichef Gierek gestorben

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Edward Gierek, der letzte polnische Kommunistenführer, dem die Massen zujubelten, ist am Wochenende im Alter von 88 Jahren gestorben. Als Gierek im Dezember 1970 an die Spitze der Partei trat, herrschte Aufbruchsstimmung. "Werdet Ihr helfen?", fragte er die Arbeiter - und sie riefen im Chor: "Wir werden helfen." 1970 hatte sich ihre Hoffnung auf einen menschlichen Sozialismus bereits zweimal zerschlagen. Stalins Statthalter Boleslaw Bierut hatten sie nie geliebt. Der Heimatkommunist "Väterchen" Wladyslaw Gomulka (1956-1970), der bis dahin im Gefängnis gesessen hatte, verscherzte sich die Sympathien durch die blutige Niederschlagung der Arbeiterunruhen an der Küste 1970.

Der Bergarbeitersohn Edward Gierek trieb die Industrialisierung mit westlichen Milliardenkrediten voran, sorgte durch Kooperation mit Fiat für die Massenmotorisierung mit dem Modell 126 "Maluch" (Winzling), erlaubte bescheidenen Konsum, was in Liedern über Orangen und Rosinen besungen wurde. Der Aufschwung war nicht von Dauer. Am Ende des Gierek-Jahrzehnts hatte Polen Milliardenschulden; die Arbeiterproteste mündeten 1980 in die Gründung der Solidarno¿s¿c, der ersten unabhängigen Gewerkschaft im Ostblock. Gierek trat zurück.

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