Politik : Polen gegen Ex-Spion als Bischof

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Warschau - Nach massiven Vorwürfen gegen den neuen Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus ist die Mehrheit der Polen einer Umfrage zufolge gegen seinen Amtsantritt. In einer von der Tageszeitung „Dziennik“ in Auftrag gegebenen und am Freitag veröffentlichten Umfrage sagten 67 Prozent der Befragten, Wielgus sollte von seinem Amt zurücktreten. Der 67-jährige bisherige Bischof von Plock soll jahrelang als Informant für den kommunistischen Geheimdienst Amtsbrüder bespitzelt haben. Nur ein Fünftel würde ihn als Erzbischof akzeptieren. Wielgus selbst bestritt am Freitag die Vorwürfe erneut.

Der Geistliche soll am Sonntag als Nachfolger von Kardinal Jozef Glemp in sein Amt eingeführt werden. Kirchenrechtlich sollte er das Bistum bereits am Freitagnachmittag übernehmen. „Ich habe keinerlei Spionageaufgaben ausgeführt“, versicherte Wielgus in einer am Freitag von der polnischen Nachrichtenagentur PAP verbreiteten Stellungnahme.

„Mir sind schlechte Absichten und eine schlechte Haltung zur Kirche zugeschrieben worden. Das ist falsch“, erklärte Wielgus. Die angeblichen Beweise beruhten lediglich auf den Notizen von Geheimdienstmitarbeitern, schrieb der Bischof in seiner Rechtfertigung. In seiner Geheimdienstakte gebe es viele Falschinformationen. „Ich weiß, dass ich keinerlei Beziehungen zu den (Sicherheits-) Diensten der Volksrepublik hätte haben dürfen“, räumte Wielgus ein. Seit Donnerstag ist auf den Internetseiten mehrerer polnischer Medien eine Verpflichtungserklärung von Wielgus aus dem Jahr 1973 veröffentlicht. Im gleichen Jahr erhielt er einen Reisepass und begann einen Forschungsaufenthalt an der Universität München. dpa

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