Polen : Gutachten: Warschau stehen deutsche Entschädigungen zu

Ein Gutachten des polnischen Parlaments hält Forderungen an Deutschland nach Entschädigungen für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg für rechtmäßig. Die Bundesregierung weist das zurück.

Die polnische Premierministerin Beata Szydlo ist für Reparationen.
Die polnische Premierministerin Beata Szydlo ist für Reparationen.Foto: dpa

Polen stehen nach einer Expertise des polnischen Parlaments Entschädigungen von Deutschland für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zu. Das Gutachten des Sejm wurde am Montag veröffentlicht. Darin heißt es: „Es ist legitim zu sagen, dass die Republik Polen einen Anspruch auf Entschädigungen von der Bundesrepublik Deutschland hat und die Behauptung, dass die Ansprüche abgelaufen oder verjährt seien, ist unbegründet.“ Die Erklärung der polnischen Regierung aus dem Jahr 1953 über den Verzicht auf Reparationszahlungen sei verfassungswidrig gewesen und nur auf Druck der Sowjetunion erfolgt. Außerdem habe sie nur die DDR betroffen, heißt es in der Begründung.

Mitglieder der polnischen Regierung haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder für Forderungen an Deutschland ausgesprochen. Premierministerin Beata Szydlo hatte am Donnerstag betont: „Polen stehen Reparationen zu, wir sind bereit, sie einzufordern.“

Bundesregierung weist Forderungen zurück

Die Bundesregierung weist dies zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte am Freitag, Polen habe 1953 auf weitere Forderungen verzichtet und dies später mehrfach bestätigt. Polens Außenminister Witold Waszczykowski sagte am Montag, es seien weitere Gutachten sowie eine Analyse der Verluste Polens während des Zweiten Weltkriegs notwendig, bevor die Regierung einen offiziellen Standpunkt einnehme. Eine Entschädigungssumme nennen die Experten nicht.

Nach dem Krieg seien die von Deutschland verursachten Schäden am polnischen Staats- und Privateigentum auf 48,8 Milliarden US-Dollar geschätzt worden. Mehr als sechs Millionen polnische Staatsbürger seien umgekommen. Weitere rund zehn Millionen seien Opfer von deutschen Verbrechen und Terror geworden.

Gemessen an der Bevölkerungszahl und dem Gesamtvermögen hatte Polen im Zweiten Weltkrieg dem Gutachten zufolge die meisten Toten und die höchsten materiellen Verluste aller europäischen Staaten zu beklagen. (dpa/KNA)

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