Polen in Trauer : Ein Grab neben Königen

Kaczynski soll auf der Wawel-Burg in Krakau beigesetzt werden. Tausende pilgern zu den im Präsidentenpalast aufgebahrten Särgen

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Stiller Abschied. Marta Kaczynska, die Tochter des beim Flugzeugabsturz getöteten Präsidentenpaares, am Sarg ihrer Mutter im...PAP

Bronislaw Komorowski kämpft mit den Tränen. Immer wieder. „Von uns allen hängt es ab, ob wir diesen Schmerz in neue Kraft verwandeln können“, sagt er zu den Trauernden. Als (Noch)-Parlamentspräsident muss Polens Übergangspräsident die Sonderversammlung der beiden Parlamentskammern eröffnen. 18 Abgeordnete sind zusammen mit Präsident Lech Kaczynski am Samstag beim Flugzeugabsturz in Smolensk umgekommen. Viele davon waren trotz politischer Differenzen Komorowskis gute Kollegen.

„Ich wünsche mir, dass uns das ohne politischen Streit gelingt“, mahnt er. Neben ihm steht vor Schmerz verkrampft der Präsident des Senats, Bogdan Borusewicz. 1980 war er der Kopf des Streiks auf der Leninwerft, Lech Kaczynski kannte er von dessen Kursen über das polnische Arbeitsrecht in konspirativen Wohnungen der Dissidenten. Nun bleibt Kaczynskis Ehrensessel auf der Zuschauertribüne leer. Ein Trauerschleier hängt über die Lehne. Unten im Parlamentssaal ist der sonst so kämpferische Oppositionschef Jaroslaw Kaczynski nur noch ein Schatten seiner selbst. Sichtlich gezeichnet hört er den Trauerreden für seinen Zwillingsbruder und die mit ihm Verunglückten zu.

Zusammen mit den engsten Familienangehörigen des Präsidentenpaars hat er zuvor entschieden, dass sein Bruder weder auf dem Warschauer Ehrenfriedhof Powazki noch in seinem geliebten Sopot bei Danzig, sondern auf der Krakauer Königsburg zur letzten Ruhe kommen soll. Auf dem Wawel in Krakau soll er am Sonntag neben seinem Vorbild Jozef Pilsudski, dem Gründer des modernen polnischen Staates von 1918, begraben werden. Neben den polnischen Königen und dem 1943 tragisch über Gibraltar aus immer noch ungeklärten Gründen abgestürzten Oberbefehlshaber Wladislaw Sikorski soll er liegen – zusammen mit seiner mit ihm verunglückten Ehefrau Maria. Zum letzten Geleit wollen laut Information der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ die Präsidenten Russlands und der USA, Dmitri Medwedew und Barack Obama, Nicolas Sarkozy, Michail Saakaschwili und Bundeskanzlerin Angela Merkel kommen. Obama wolle am Samstag nach Krakau reisen, um am Tag darauf an dem Begräbnis teilzunehmen, erklärte das Weiße Haus.

Die Leiche von Maria Kaczynska war am Dienstagmorgen aus Moskau, wohin alle Gebeine der Absturzopfer von den Russen zur Identifizierung gebracht worden waren, nach Warschau überführt. Tausende von Polen säumten schweigend auch ihren Leichenzug zum Präsidentenpalast in der Warschauer Innenstadt.

Seit Samstag stehen die Polen Tag und Nacht vor dem Präsidentenpalast Schlange, um sich in die Kondolenzbücher einzutragen. Morgens um drei beträgt die Wartezeit nur eine halbe Stunde, tagsüber stehen manche stundenlang schweigend, mit verweinten Augen. Am Dienstag wurden die Särge des Präsidentenehepaars nebeneinander im Säulensaal des Palastes aufgebahrt. Auch er soll bis zum Begräbnis am Sonntag rund um die Uhr für alle Polen zugänglich sein.

Bereits an diesem Mittwoch will Übergangspräsident Komorowski den vorgezogenen Wahltermin bekannt geben. Die Opposition hat er bereits um einen Terminvorschlag gebeten. Er wolle sich im Rahmen der Verfassung gerne danach richten, versicherte er.

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