Politik : Policen von Holocaust-Opfern aus der NS-Zeit nicht ausgezahlt

Die Kommission zur Lösung offener Versicherungsfragen von Holocaust-Opfern will nach Angaben verhandlungsnaher Kreise in New York auf ein Ende des Schutzes dreier europäischer Versicherer vor Sanktionen in den USA hinwirken. Es werde erwartet, dass der frühere US- Außenminister Lawrence Eagleburger als Ausschussvorsitzender alle 50 US-Bundesstaaten auffordern werde, die Münchener Rück, den Gerling-Konzern und die niederländische Aegon NV von der Liste geschützter Versicherer zu nehmen. Die drei Unternehmen gehören nicht der Kommission an, deren Mitglieder vor Strafmaßnahmen der US-Behörden geschützt sind.

Die drei Versicherer hatten in der Vergangenheit Interesse an einem Beitritt zu der Kommission bekundet, haben den Schritt jedoch bislang nicht vollzogen. Vergangene Woche hatte der Jüdische Weltkongress (WJC) Eagleburger deshalb aufgefordert, die Bundesstaaten um die Streichung des Schutzes für Aegon zu bitten. Für den 25. Januar hat der WJC einen Boykott-Aufruf gegen die amerikanische Aegon-Tochter Transamerica angekündigt. Im vergangenen Monat hatte Aegon als erster europäischer Versicherer erklärt, entsprechend einer Regelung des US-Bundesstaates Kalifornien bei der Klärung nicht ausbezahlter Policen aus der Holocaust-Zeit mitzuwirken. Allerdings verfüge er über keine Liste der Namen aller nicht ausgezahlter Verträge.

Die Münchener Rück hatte einen Beitritt zu der Kommission zunächst abgelehnt, im August aber doch Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert. Der Konzern hatte erklärt, als Rückversicherer habe er nur mit anderen Unternehmen, niemals jedoch mit Einzelpersonen und deshalb auch nicht mit Holocaust-Opfern Versicherungsverträge abgeschlossen. Der Gerling-Konzern hatte im Juli mitgeteilt, er erwäge, entweder der Kommission oder dem Fonds zur Entschädigung von Zwangsarbeitern beizutreten.

Unterdessen sind nach Angaben von US-Vizefinanzminister Stuart Eizenstat mehrere US-Firmen bereit, neben der mit der deutschen Seite vereinbarten Entschädigungssumme für frühere NS-Zwangsarbeiter einen eigenen Beitrag zu leisten. Eizenstat sagte am Dienstag, eine Reihe von Unternehmen, die während des Zweiten Weltkrieges Tochtergesellschaften in Deutschland gehabt hätten, habe ihn bereits angesprochen. Angaben zu der Zahl der Unternehmen oder einer möglichen Summe machte er nicht. Näheres dazu könne er im Januar sagen, erklärte Eizenstat.

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