Politbarometer : 58 Prozent der Bürger meinen, die FDP wird nicht mehr gebraucht

Die meisten Wähler halten die FDP, die nun in Sachsen auch aus der letzten Regierung geflogen ist, für verzichtbar. Aber eine Mehrheit der Befragten glaubt auch nicht, dass die AfD auf Dauer erfolgreich sein wird. Hier die Ergebnisse des jüngsten Politbarometers.

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Nach dem Scheitern der FDP bei der Landtagswahl in Sachsen und dem damit verbundenen Verlust der letzten Regierungsbeteiligung der Liberalen auf Länderebene sind in Deutschland nur noch 35 Prozent der Befragten der Meinung, die FDP werde als Partei noch gebraucht. Im Mai waren das noch 42 Prozent, im August immerhin noch 38 Prozent. Dass die Liberalen nicht mehr benötigt werden, denken inzwischen 58 Prozent der Wahlberechtigten. Im Mai waren es 52, im August 55 Prozent. Das geht aus dem jüngsten Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel hervor. Dafür wurden vom 2. bis 4. September 2014 insgesamt 1179 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Deutschland telefonisch befragt. Während rund die Hälfte der Unionsanhänger (48 Prozent) die FDP weiterhin für wichtig hält, tun dies in den Reihen der anderen Parteien jeweils nur Minderheiten zwischen 14 Prozent (AfD) und 27 Prozent (SPD).

Schafft es die FDP wieder in den Bundestag?

Das bezweifeln rund zwei Drittel der Befragten, nämlich 67 Prozent. Trotzdem glauben noch 27 Prozent, die FDP werde sich bis dahin erholen und dann wieder die Fünf-Prozent-Hürde überspringen.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

Nachdem die AfD am vergangenen Wochenende mit starken 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, trauen ihr 29 Prozent der Befragten zu, auch langfristig erfolgreich zu sein. Im August meinten das nur 18 Prozent. Aber eine Mehrheit von 54 Prozent glaubt nicht an einen dauerhaften Erfolg der Partei. Im August waren noch 64 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Aus welchen Gründen wird die AfD gewählt?

70 Prozent der Wahlberechtigten glauben, dass die AfD hauptsächlich deshalb gewählt wird, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu erteilen, nur 16 Prozent sehen das Hauptmotiv ihrer Wähler in den Inhalten der Partei begründet. Insgesamt 39 Prozent der Befragten stufen die AfD im politischen Spektrum als sehr rechts oder rechts ein. 29 Prozent verorten sie eher in der Mitte, 12 Prozent sehen die AfD als linke beziehungsweise sehr linke Partei an.

Soll sich die CDU/CSU für eine Zusammenarbeit mit der AfD öffnen?

Eine deutliche Mehrheit der Wahlberechtigten, nämlich 62 Prozent, rät von einer langfristigen Zusammenarbeit der Union mit der AfD ab. Nur 21 Prozent befürworten eine Öffnung von CDU/CSU gegenüber der AfD. Während sich 80 Prozent der AfD-Anhänger für eine Öffnung der Union gegenüber der Alternative für Deutschland aussprechen, ist es bei den Unionsanhängern genau umgekehrt: Nur 16 Prozent von ihnen empfehlen eine Zusammenarbeit mit der AfD.

Grafik: Tsp

Wird es Krieg zwischen Russland und der Ukraine geben?

61 Prozent der Befragten machen sich sehr große oder große Sorgen, dass es einen direkten Krieg zwischen den beiden Staaten geben könnte. Das ist eine leichte Erhöhung gegenüber dem August. 36 Prozent teilen diese Befürchtung eher nicht.

Sollten die Wirtschaftssanktionen gegen Russland verschärft werden?

54 Prozent der Bürger befürworten angesichts der zunehmenden Unterstützung der ukrainischen Separatisten durch Russland schärfere Sanktionen der EU gegen Russland, auch wenn sich dadurch wirtschaftliche Nachteile für Deutschland ergeben könnten. 38 Prozent sind gegen eine Ausweitung der derzeitigen Sanktionen..

Sonntagsfrage: Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre...

Wäre bereits am Sonntag Bundestagswahl, könnte die CDU/CSU mit 42 Prozent der Stimmen rechnen, das ist ein Prozentpunkt mehr als beim letzten Politbarometer. Die SPD käme weiterhin auf 25 Prozent. Die Linke würde konstant 9 Prozent erreichen, und die Grünen würden bei Verlusten jetzt auch bei 9 Prozent liegen. Auf lediglich noch 3 Prozent käme die FDP, sie verlöre einen Prozentpunkt gegenüber der letzten Umfrage. Die AfD hätte dagegen Gewinne von zwei Prozentpunkten und läge jetzt bei 6 Prozent. Neben Schwarz-Rot würde es momentan auch für Schwarz-Grün reichen, keine Mehrheit hätte dagegen eine rot-rot-grüne Koalition. Rechnerisch möglich wäre auch ein Bündnis von Union und AfD.

Welche Koalition wird gewünscht?

32 Prozent der Wahlberechtigten sprechen sich für Schwarz-Rot als bevorzugtes Bündnis aus, das sind zwei Prozentpunkte weniger als noch im August. Nur 12 Prozent wünschen sich eine Wiederauflage von Rot-Grün, im August waren das noch 13 Prozent. 10 Prozent bevorzugen eine Zusammenarbeit von CDU/CSU und Grünen. Im August waren das nur 7 Prozent. Lediglich 6 Prozent entscheiden sich für Schwarz-Gelb.

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