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Politbarometer : AfD im Aufwind, Einbußen für CDU

Die AfD profitiert von ihren Erfolgen bei den jüngsten Landtagswahlen. Die CDU büßt Punkte ein. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet aber eine erneute Kandidatur von Angela Merkel.

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AfD-Chefin Frauke Petry.
AfD-Chefin Frauke Petry.Foto: 360-Berlin

Unter den Deutschen schwindet die Zustimmung für eine Neuauflage der großen Koalition. Erstmals in dieser Legislaturperiode ist eine Mehrheit der Bürger gegen Schwarz-Rot. Zu diesem Ergebnis kommt das neue Politbarometer von ZDF und Tagesspiegel. Nur 37 Prozent der Befragten fänden es gut, wenn nach der nächsten Bundestagswahl CDU/CSU und SPD zusammen regieren würden, 41 Prozent fänden es sogar schlecht. Noch im April hatten sich 43 Prozent für die große Koalition ausgesprochen. Eine Koalition Schwarz-Grün bewerten aktuell 38 Prozent positiv und 40 Prozent negativ. Immer größere Zustimmung gibt es für eine Regierung aus SPD, Linken und Grünen. Nach jeweils 25 Prozent im April und im Juli sind jetzt 33 Prozent für eine derartige Konstellation – 51 Prozent sind allerdings dagegen.

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, müsste die Union weitere spürbare Einbußen hinnehmen – die AfD und die Linken würden geringfügig zulegen. SPD und Grüne blieben unverändert. Für die AfD bedeuten 13 Prozent das Rekordniveau im Politbarometer, das sie schon einmal im Mai und im Juni erreicht hatten. Die Grünen lägen weiterhin ebenfalls bei 13Prozent, die Linke könnte mit 10 Prozent und die FDP mit 5 Prozent rechnen. CDU/CSU kämen auf nur noch 33 Prozent, die SPD auf schwache 22 Prozent. Damit gäbe es weiterhin eine Mehrheit für Union und SPD, von den politisch denkbaren Dreierbündnissen würde es auch reichen für eine Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP – nicht aber für Rot-Rot-Grün.

70 Prozent glauben, dass die AfD eine schlechtere Politik machen würde

Obwohl die Alternative für Deutschland in der Umfrage weiter an Zustimmung gewinnt, hegen die Deutschen gleichzeitig massiven Zweifel am qualitativen Mehrwert der Partei. Lediglich neun Prozent sind der Ansicht, dass die AfD bei einer Mitverantwortung im Bund bessere Politik machen würde als die anderen Parteien. 13 Prozent sagen, es würde keinen Unterschied machen, und 70 Prozent prognostizieren für diesen Fall eine schlechtere Politik. Und selbst nur gut die Hälfte der AfD-Anhänger glauben an eine bessere Politik, wenn ihre Partei mitregieren würde. 55 Prozent aller Befragten finden, dass es keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD geben sollte, 41 Prozent wiederum sind dafür.

Und wie stehen die Deutschen dieser Umfrage zufolge zu der Forderung von CSU-Chef Horst Seehofer, nicht mehr als 200000 Flüchtlinge pro Jahr in Deutschland aufzunehmen? 54 Prozent sind für die Einführung einer solchen Obergrenze, 41 Prozent dagegen. Unter Unions-Anhängern allerdings geht eine knappe Mehrheit von 52 Prozent zu Seehofers Flüchtlingspolitik auf Distanz.

Immer kritischer wird die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin gesehen: Nur noch 43 Prozent finden, Angela Merkel (CDU) mache ihre Sache eher gut. Im August waren es noch 44, im Juli 46 Prozent. Eine Mehrheit von 54Prozent befürwortet aber immer noch eine erneute Kanzlerkandidatur Merkels. Vor drei Monaten waren es allerdings noch 4 Prozent mehr. 42Prozent sind gegen ihre erneute Wahl (+4). 41 Prozent würden es begrüßen, wenn SPD-Chef Sigmar Gabriel 2017 als Bundeskanzler kandidieren würde (+5). Eine Mehrheit von 49 Prozent ist dagegen (+6).

Nur 5 Prozent der Deutschen wollen Donald Trump

In der Rangliste der beliebtesten Politiker liegt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vorne. Auf einer Skala von plus 5 bis minus 5 kommt er auf einen Durchschnittswert von 2,1. Auf Platz zwei folgt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit 2,0, gefolgt von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit 1,7 und Kanzlerin Merkel mit 1,1.

Und wen favorisieren die Deutschen als neuen Präsidenten der USA? Rund sieben Wochen vor der 58. Präsidentschaftswahl wünschen sich nur 5 Prozent Donald Trump. 87 Prozent möchten, dass Hillary Clinton ins Weiße Haus einzieht. Die Bundesbürger haben dabei auch klare Erwartungen: 72 Prozent glauben, dass Hillary Clinton die Wahl am 8. November gewinnen wird, 17 Prozent rechnen mit einem Sieg von Trump und elf Prozent wagen keine Prognose.

Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag 1241 Wahlberechtigte.

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