Politbarometer : Deutsche haben wenig Vertrauen in Griechenland

Drei Viertel der Bürger glauben nach der Umfrage nicht, dass die Syriza-Regierung in Athen die Reformversprechen umsetzen wird. Aber die Mehrheit will doch, dass die Griechen im Euro-Raum bleiben.

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Keine Mehrheit für Euro-Austritt der Griechen.
Keine Mehrheit für Euro-Austritt der Griechen.Foto: imago/Ralph Peters

Die Deutschen haben wenig Vertrauen in die Versprechungen der griechischen Regierung. Nach dem aktuellen Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel glauben 71 Prozent der Befragten nicht, dass die jetzt vorgelegte Liste mit Reformmaßnahmen umgesetzt wird. Immerhin ein Viertel ist dagegen optimistisch, bei den Anhängern der Linkspartei sogar die Hälfte. Dass die Syriza-Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras die Steuerhinterziehung wirksam bekämpfen kann, erwarten nur 22 Prozent. Drei Viertel der Befragten glauben nicht an einen Erfolg. Dass Griechenland mit dem Sparprogramm zu viel zugemutet wird, meint ein Viertel der Deutschen, gut die Hälfte sagt, die Belastungen seien gerade richtig. 13 Prozent ist es dagegen noch zu wenig.
Trotz aller verbalen Spannungen zwischen Berlin und Athen möchte doch jeder zweite Deutsche die Griechen weiter im Euro-Raum haben. Gegen einen Verbleib von Hellas in der gemeinsamen Währung sind 41 Prozent, etwas mehr als zuletzt. Unter den Parteianhängern sind jedoch nur diejenigen der AfD deutlich für einen Austritt aus der Euro-Zone (87 Prozent). Bei den anderen liegt die Quote für den Austritt zwischen 19 Prozent (Grüne) und 39 Prozent (SPD). 37 Prozent der Unions-Anhänger wollen die Griechen draußen haben, bei der Linken sind es 32 Prozent.

Maut spaltet Deutschland

Die Pkw-Maut spaltet die Deutschen in der Mitte: 48 Prozent sind dafür, 49 Prozent dagegen. Nur Unions-Anhänger wollen sie mehrheitlich.

Ein interessanter Wert: Die Arbeit der SPD wird derzeit mit 1,3 (auf der Skala von plus 5 bis minus 5) etwas besser bewertet als die Union (1,1). Auch vor vier Wochen lagen die Sozialdemokraten schon knapp vorn. Doch stimmenmäßig setzt sich diese leichte Besserbewertung noch nicht durch. Wäre am Sonntag Wahl, würden CDU und CSU klar vorn liegen mit 41 Prozent der Stimmen. Die SPD käme auf 25 Prozent. Der Kanzlerinnenbonus von Angela Merkel schlägt nach wie vor kräftig durch. Die CDU-Chefin wird aktuell von 84 Prozent eher positiv bewertet. Die Grünen würden derzeit bei elf Prozent landen. Acht Prozent der Wähler würden bei der Linken ihr Kreuzchen machen, die AfD wäre mit sieben Prozent im Bundestag, die FDP mit drei Prozent nicht. Allerdings glauben weiterhin zwei Drittel aller Befragten nicht, dass die AfD sich langfristig etablieren wird.

Kretschmann ist Nummer vier bei Beliebtheit

In die Liste der zehn wichtigsten Politiker ist neuerdings auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann aufgenommen worden. Unter allen Befragten kommt er mit einer Note von 1,4 auf den vierten Platz, noch vor SPD-Chef Sigmar Gabriel (1,3). Merkel liegt mit 2,3 auf dem vordersten Platz vor Finanzminister Wolfgang Schäuble und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (jeweils 2,2). Bei den Grünen-Anhängern kommt Kretschmann auch sehr gut an, sie benoten ihn mit 3,1.

Als größtes Problem wird derzeit der Bereich Ausländer, Asyl und Flüchtlinge wahrgenommen - 38 Prozent der Befragten sprechen diesen Aspekt an. Dahinter kommt die Euro-Krise samt Griechenland (20 Prozent), dann erst der Arbeitsmarkt im Inland (zwölf Prozent) - ein klares Indiz für hohe Zufriedenheit der meisten Bürger. Mehr als die Hälfte hält die Wirtschaftsalge daher auch für gut, nur sechs Prozent bezeichnen sie als schlecht. 32 Prozent erwarten sogar eine Besserung, zuletzt waren es 26 Prozent.

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