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Politbarometer : Große Koalition ist die klare Favoritin

Umfrage: 58 Prozent der Deutschen fänden Schwarz-Rot gut. Die erste Nachwahlbefragung zeigt auch: Baldige Neuwahlen würden allein CDU und CSU nützen. Die Stimmung für die Grüne ist ungünstig - die FDP ist vorläufig abgemeldet.

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Wer säße drin nach Neuwahlen?
Wer säße drin nach Neuwahlen?Foto: dpa

In der Frage nach der künftigen Bundesregierung ist die große Koalition ist die eindeutige Favoritin der Bürger. Das zeigt das Nachwahl-Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel. Demnach finden es 58 Prozent - und damit mehr als vor der Wahl - gut, wenn Union und SPD die Regierung bilden würden. Nur ein Viertel hält das für schlecht. Jeweils etwa zwei Drittel der Anhänger von Union und SPD votieren für dieses Bündnis. Mit 72 Prozent erwartet zudem die klare Mehrheit, dass es am Ende zu Schwarz-Rot kommen wird. Allerdings glauben 50 Prozent der SPD-Anhänger, dass ein Bündnis mit der Union den Sozialdemokraten langfristig schaden könnte.

Grünen-Anhänger für Schwarz-Grün

Immerhin 32 Prozent könnten sich auch mit einer schwarz-grünen Koalition anfreunden, wobei mit 67 Prozent die Zustimmung unter den Grünen-Anhängern sehr groß ist - offenbar wird die Regierungsbeteiligung hier höher angesetzt als die Oppositionsrolle. Bei den Anhängern von CDU und CSU hält aber nur ein gutes Drittel Schwarz-Grün für gut. Rot-Rot-Grün kommt auf eine Zustimmung von 22 Prozent, zwei Drittel halten diese Variante für schlecht. Auf Ablehnung stößt dagegen die Option einer Minderheitsregierung: 72 Prozent bewerten sie prinzipiell negativ.

Politische Stimmung günstig für die Union

Die politische Stimmung in Deutschland ist wenige Tage nach der Bundestagswahl sehr günstig für CDU und CSU. Dagegen hat der Wahlausgang bei den Grünen und der FDP deren Anhängern die Laune verdorben. Im Politbarometer jedenfalls zeigt sich bei der Union ein Trend nach oben - sie liegt in der Projektion der Forschungsgruppe Wahlen bei 43 Prozent, also über dem Wahlergebnis von 41,5 Prozent am vergangenen Sonntag. Die SPD liegt bei 26 Prozent, also etwa auf ihrem Ergebnis bei der Wahl. Die Grünen rutschen dagegen auf sieben Prozent ab (Wahlergebnis 8,4 Prozent). Die FDP ist mit drei Prozent deutlicher unter der Fünfprozentmarke als am Wahltag. Wie über weite Strecken in der letzten Wahlperiode ist die Partei wieder an den Rand des demoskopisch Messbaren gerückt - sollte es dabei bleiben, droht den Liberalen die politische Marginalisierung. Die Linken haben etwas Auftrieb nach der Wahl (8,6 Prozent) und steigen in dem ersten Stimmungstest seit Sonntag auf zehn Prozent. Die Alternative für Deutschland, bei der Wahl gescheitert, kommt auf fünf Prozent und hätte damit die Chance, in den Bundestag einzuziehen. Die Piraten liegen deutlich unter drei Prozent.

Die Grafik zeigt, wie die Ergebnisse bei Neuwahlen ausfallen könnten.
Die Grafik zeigt, wie die Ergebnisse bei Neuwahlen ausfallen könnten.Foto: Tsp

Die Hälfte der Bürger ist mit Wahlergebnis zufrieden

55 Prozent der Befragten sind zufrieden mit dem Wahlergebnis vom Sonntag, 41 Prozent eher unzufrieden. Zum Vergleich: 2005, als dann die große Koalition entstand, waren 80 Prozent unzufrieden. Der höchste Grad an Zufriedenheit wurde 1998 gemessen, als Gerhard Schröder (SPD) den Dauerkanzler Helmut Kohl (CDU) ablöste: Damals waren 60 Prozent zufrieden.

Eine Umfrage gleich nach der Wahl - ist das sinnvoll angesichts der vielen Erhebungen bis kurz vor dem Wahltag? Wohl schon. "Die Sonntagsfrage steht nicht ausschließlich im Vordergrund bei dieser neuen Umfrage, sondern es geht auch um die Einstellungen der Bürger zum Wahlergebnis und zur Regierungsbildung", sagt Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen. Die neuen Zahlen und Erkenntnisse können den Parteien so eine gewisse Orientierung in der Phase der schwierigen Koalitionsgespräche. Das Politbarometer drei Tage vor der Wahl lag recht nahe am Ergebnis vom Sonntag, so weit das jedenfalls in Zeiten recht sprunghaften Wählerverhaltens möglich ist.

Mehrheit gegen Neuwahlen

Angesichts der Mutmaßungen, dass auch baldige Neuwahlen zumindest nicht völlig ausgeschlossen sind, lautet die Aussage: Die Union würde aktuell wohl davon profitieren, während die Grünen einen weiteren Rückgang der Stimmen einkalkulieren müssten, während die FDP wohl wieder nicht in den Bundestag einziehen würde. Allerdings lehnen 62 Prozent Neuwahlen trotz der aktuell noch unklaren Situation ab.

Jeder zweite Bürger sagt, die FDP werde noch gebraucht

Die Hälfte gibt der Das Scheitern der FDP bei der Wahl am vergangenen Sonntag finden 38 Prozent der Deutschen gut, 34 Prozent sind anderer Meinung, 24 Prozent ist es egal. Immerhin zeigen 57 Prozent der Unions-Anhänger ein Bedauern. Den Hauptgrund für das Ausscheiden sieht die Hälfte der Befragten im Personal der Partei, 43 Prozent meinen, es seien eher die politischen Inhalte. Ein Hoffnungsschimmer für die Liberalen ist, dass 55 Prozent der Aussage zustimmen, die FDP werde als Partei noch gebraucht.

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