Politik : Politbarometer: Mehrheit der Deutschen befürwortet Vergeltungsschlag

Die am 10. September gestartete Umfrage für das ZDF-Politbarometer wurde am Dienstagabend aufgrund der Terroranschläge in den USA abgebrochen. Am Mittwoch wurde daraufhin eine völlig neue veränderte Umfrage begonnen, um ein erstes Stimmungsbild nach den Anschlägen zu erheben. Insgesamt sind vom 12. bis 13. September von der Forschungsgruppe Wahlen 1031 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt worden.

Nach den verheerenden Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA fürchtet die Hälfte aller Deutschen (50 Prozent), dass es ähnliche Gewaltakte auch im eigenen Land geben könnte. 48 Prozent teilen diese Furcht nicht, und lediglich zwei Prozent äußern sich in dieser Frage nicht.

Dass es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen wird, erwarten jedoch die meisten der Befragten (65 Prozent). 32 Prozent glauben, dass keine Kriegshandlungen folgen werden, drei Prozent geben kein Urteil ab. Über alle Parteigrenzen hinweg teilt jeweils die absolute Mehrheit der jeweiligen Anhänger diesen Verdacht. Vor allen Dingen die jüngeren Befragten rechnen ganz klar mit einem militärischen Konflikt. Grafik: Reaktionen auf Terrorakte Die absolute Mehrheit der Befragten (57 Prozent) findet es darüber hinaus durchaus richtig, wenn die USA Vergeltung üben wird, allerdings meinen 37 Prozent, dass die Vereinigten Staaten sich auf jeden Fall militärisch zur Wehr setzen sollten, weitere 20 Prozent betonen, dass sie solch einen kriegerischen Einsatz der USA nur gut heißen, wenn die Schuldigen an den Terroranschlägen eindeutig feststehen. 35 Prozent der Befragten finden das militärische Zurückschlagen der Amerikaner nicht richtig, acht Prozent können oder wollen sich dazu nicht äußern (siehe Grafik).

Während die Anhänger von SPD (60 Prozent), CDU/CSU (58 Prozent) und FDP (54 Prozent) insgesamt mehrheitlich Vergeltungsschläge der USA befürworten, sind dies bei den Grünen nur 31 Prozent und bei der PDS 43 Prozent. Trotz des Verständnisses der Deutschen insgesamt für eine Gegenwehr der Amerikaner denken die meisten Befragten (57 Prozent), dass sich die Bundesrepublik nicht an Militärationen der USA beteiligen sollte.

Die politische Stimmung hat sich im September - auch unter den Einflüssen der jüngsten Ereignisse - im Vergleich zum Vormonat klar verändert. Stark gewachsen ist die Zustimmung für die SPD, die mit 43 Prozent jetzt wieder stärkste Partei wird (+5). Die Grünen jedoch haben ihre Gewinne vom August wieder eingebüßt und erhalten 6 Prozent (-2). Die CDU/CSU bleibt gegenüber dem Vormonat mit 39 Prozent unverändert, liegt aber jetzt wieder deutlich hinter der SPD. Die FDP kommt auf 6 Prozent und hat im Vergleich zum August verloren (-1), im Vergleich zum Juli hat sich die Zustimmung für die Liberalen sogar deutlich reduziert. Die PDS hat nach leichten Gewinnen im August jetzt wieder stärker verloren und kann nur noch 3 Prozent für sich verzeichnen (-2). Die sonstigen Parteien erhalten zusammen 4 Prozent (+1).

Da mit Umfragen aber immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem weit entfernten Wahltag nicht zulässig. Nach der Projektion ("Wenn am Sonntag tatsächlich Wahl wäre"), der langfristige Erkenntnisse über das Wählerverhalten zu Grunde liegen, ergäbe sich daher ein etwas anderes Bild: Die SPD erhält auf dieser Grundlage 40 Prozent, die CDU/CSU 38 Prozent. Die Grünen kommen auf fünf Prozent, die FDP auf sieben Prozent. Die PDS liegt wie im Vormonat bei fünf Prozent.

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