Politbarometer : Mehrheit der Deutschen gegen Euro-Bonds

Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sind die aktuellen Politbarometer-Daten ein zweischneidiges Schwert. Zwar lehnen die Deutschen Euro-Bonds mehrheitlich ab. Gleichzeitig werden aber mehr Staatsschulden befürwortet, um die Euro-Krise zu lösen.

Kanzlerin Merkel kann sich bestärkt fühlen: Die Mehrheit der Deutschen lehnt Euro-Bonds ab.
Kanzlerin Merkel kann sich bestärkt fühlen: Die Mehrheit der Deutschen lehnt Euro-Bonds ab.Foto: AFP

Die Einführung sogenannter Euro-Bonds lehnt laut Politbarometer mit 79 Prozent eine große Mehrheit der Deutschen ab, dabei sind sich die Anhänger aller Parteien weitgehend einig. Nur 14 Prozent sind laut dieser von Tagesspiegel und ZDF in Auftrag gegebenen Umfrage für solche gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder. Sieben Prozent haben dazu keine Meinung.

Doch viele Menschen finden, dass neben dem Schuldenabbau auch mehr Wachstumsanreize geschaffen werden sollten. Anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) halten 62 Prozent auch schuldenfinanzierte Wachstumsimpulse für notwendig. Nur 27 Prozent glauben, dass für solche Programme keine neuen Schulden aufgenommen werden müssen. Während sich die meisten der zehn wichtigsten Politiker im Vergleich zu April verbessern, verzeichnet Merkel einen schlechteren Wert. Sie fällt auf der Skala von plus fünf bis minus fünf mit 1,6 gegenüber dem April um 0,2 Punkte zurück, steht damit aber weiterhin an der Spitze.

Ebenfalls mit jeweils 1,6 folgen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der stark an Ansehen gewinnt (April: 1,0), und sein Vorgänger Peer Steinbrück (SPD) (April: 1,5). SPD-Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier kommt mit 1,5 (April: 1,4) auf Platz vier und Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) mit unveränderten 1,1 auf Platz fünf.

Ergebnisse des aktuellen Politbarometers.
Ergebnisse des aktuellen Politbarometers.Foto: TSP/Kroupa

Aktuelle Umfragen von ARD und ZDF sehen die Sozialdemokraten übereinstimmend im Aufwind, die Partei bleibt aber hinter der Union zweitstärkste Kraft im Bund. Dagegen muss die FDP trotz der glimpflich abgelaufenen jüngsten Wahlen weiter um den Verbleib im Parlament bangen. Die Entscheidung des früheren Linke-Chefs Oskar Lafontaine, nicht noch einmal für den Parteivorsitz zu kandidieren, schlägt sich im bundesweiten Trend nicht nieder.

Im ARD-Deutschlandtrend legte die SPD im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt zu. 29 Prozent würden den Sozialdemokraten ihr Kreuz geben. Auch die FDP gewinnt hinzu. Die Liberalen würden mit fünf Prozent den Einzug in den Bundestag schaffen. Dagegen verschlechterten sich die Grünen leicht und kommen nur noch auf 13 Prozent. Unverändert bleiben Linke bei sechs und die Piraten bei elf Prozent. Die Union würde nach derzeitigem Stand jeder Dritte wählen.

Auch beim ZDF-Politbarometer zeichnet sich ein positiver Trend für die SPD ab. Die Sozialdemokraten verbesserten sich um einen Punkt und liegen damit bei 31 Prozent. Der Rauswurf von Ex-Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat seiner Partei offenbar nicht geschadet. Obwohl jeder Zweite die Entscheidung der Kanzlerin für falsch hält, konnte die Union ebenfalls einen Prozentpunkt zulegen. Derzeit steht sie in der ZDF-Umfrage bei 36 Prozent. Keine Veränderungen gibt es bei FDP und Linkspartei. Während die Liberalen mit vier Prozent weiter um den Verbleib im Parlament zittern müssen, hat die Lafontaines Entscheidung keinen Einfluss auf die Wähler.

Der Verlierer der Woche sind die Piraten. Sie verlieren zwei Punkte und kommen auf sieben Prozent. 14 Prozent würden derzeit für die Grünen stimmen. Damit käme eine schwarz-grüne Koalition mit der Union auf 50 Prozent. Infratest dimap befragte für die ARD-Erhebung den Angaben zufolge am Montag und Dienstag 1.000 Bürger. Für das Politbarometer des ZDF wurden 1.312 Wahlberechtigte zwischen dem Dienstag und Donnerstag befragt. (mit dapd)

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