Politbarometer : Merkel baut Vorsprung aus

Zwar können sich Union und FDP längst nicht als Sieger fühlen, doch das neue Politbarometer zeigt: Der seit Wochen stabile Trend hin zu Schwarz-Gelb auf Bundesebene ist weiter intakt.

Albert Funk
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Berlin - Die Umfrage im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel zeigt sogar einen leichten Schub zugunsten der CDU/CSU – 41 Prozent in der aktuellen politischen Stimmung (die nichts anderes ist als die ungewichtete Sonntagsfrage), das hat es für die Union seit April nicht mehr gegeben.

Da auch der FDP-Wert mit 13 Prozent hoch bleibt, ist die Stimmung in der Wählerschaft derzeit also günstig für eine Fortsetzung der Kanzlerschaft von CDU-Chefin Angela Merkel in einer anderen Koalition. Darauf deuten auch die Erwartungen der Befragten hin: 66 Prozent gehen davon aus, dass Union und FDP nach der Wahl am 27. September die Regierung bilden werden. Und 44 Prozent halten den Ausgang der Wahl für beschlossene Sache – vor einem Monat waren es noch 35 Prozent.

Freilich sind noch sehr viele Wähler unentschieden: Laut Forschungsgruppe Wahlen wissen derzeit noch 55 Prozent der Bürger nicht, ob und wie sie wählen werden. Das ist fünf Wochen vor der Wahl ein relativ hoher Wert. Noch sind Sommerferien, der Wahltermin ist bei vielen noch gar nicht auf der Agenda. Angesichts dessen ist der Ausgang der Wahl und vor allem die Koalitionsbildung also durchaus noch offen. Von einer beginnenden Aufholjagd der SPD ist allerdings derzeit wenig zu spüren, im Gegensatz zu 2005, wo sie fünf Wochen vor dem Wahltag bereits begonnen hatte.

Die Projektion der Forschungsgruppe für das Wahlergebnis am 27. September sieht so aus: Die Union käme auf 37 Prozent, die SPD auf 23, die FDP auf 14, die Grünen könnten mit 12 Prozent rechnen, die Linken mit neun. Das wäre für Schwarz-Gelb eine komfortable Bundestagsmehrheit von 321 der 598 Sitze, zu denen nach Ansicht vieler Fachleute wohl noch einige Überhangmandate für die Union kämen.

Merkels Vorsprung bei der Frage nach dem gewünschten Regierungschef ist im August auf 41 Prozent gewachsen. Sie liegt jetzt bei 64 Prozent, während SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier nur noch auf 23 Prozent kommt. Der Kanzlerinnenbonus scheint seine Wirkung zu entfalten (immerhin attestieren Merkel 78 Prozent der Befragten eine gute Arbeit). Vor allem jene, die der Union ihre Stimme geben wollen, sagen mit 39 Prozent besonders häufig, für sie sei entscheidend, wer Kanzler wird. Zudem hat die Regierungschefin ihren Platz an der Spitze der Sympathieparade zurückerobert. Mit einem Wert von 2,0 liegt sie jetzt wieder vor Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der auf 1,9 kommt. Steinmeier rangiert mit 0,8 Punkten noch hinter Finanzminister Peer Steinbrück; im Juli lag der Kanzlerkandidat noch bei 1,2.

Das hohe Vertrauen in Merkel ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass nur 18 Prozent der Bürger meinen, die Wirtschafts- und Finanzkrise sei schon vorüber – 80 Prozent glauben das nicht. Arbeitslosigkeit ist daher mit 61 Prozent wieder das Topthema auf der Sorgenliste der Deutschen. 31 Prozent sind der Ansicht, die Union könne Arbeitslosigkeit besser bekämpfen, der SPD trauen das nur 17 Prozent zu. Das Thema Bildung und Schule, mit dem die SPD vor allem punkten will, steht mit acht Prozent der Nennungen weit hinten.

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