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Politbarometer : SPD fällt zurück - Grüne mit viel Potenzial

Wäre am Sonntag schon Bundestagswahl, hätte Rot-Grün keine Chance. Angela Merkel bleibt in der Kanzler-Frage deutlich vor Peer Steinbrück. Ob es für Schwarz-Gelb reicht, ist aber offen. Überraschung: Das Wählerpotenzial der Grünen ist so hoch wie das der SPD.

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Plakate von CDU und SPD.
Plakate von CDU und SPD.Foto: dpa

Der leichte Aufwind für Rot-Grün, den das Politbarometer vor zwei Wochen gemessen hat, hat sich als vorübergehendes Lüftchen erwiesen. Denn in der aktuellen Umfrage im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel wendet sich die Stimmung wieder. Sowohl die Sozialdemokraten als auch die Grünen verlieren in der Projektion der Forschungsgruppe Wahlen. Wäre am Sonntag schon Bundestagswahl, käme die SPD nicht über 25 Prozent hinaus, ein Minus von zwei Punkten gegenüber der vorigen Umfrage. Für die Grünen geht es einen Prozentpunkt nach unten, sie könnten derzeit mit 13 Prozent rechnen. Dagegen legt die Union um einen Punkt zu und kommt jetzt auf 41 Prozent. Die FDP verharrt bei fünf Prozent – da bei der Wahl mit Stimmensplitting zu rechnen ist, dürften die Freien Demokraten wohl wieder im Bundestag sein. Für die Linke bessert sich die Stimmung derzeit, sie legt um einen Punkt auf acht Prozent zu. Damit zeigt sich: Die NSA-Spähaffäre hat kaum etwas bewirkt im Urteil der Bürger über die Parteien, und auch die Drohnen-Affäre von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière hat keine nachhaltigen Folgen.

Beide Lager bei 46 Prozent - es wird knapp

Ob es für Schwarz-Gelb noch einmal reicht, ist freilich unklar. Union und FDP kommen zusammen auf 46 Prozent, aber das rot-rot-grüne Gegenlager ebenfalls. Möglich wären nach den aktuellen Umfragewerten eine große Koalition oder aber Schwarz-Grün. Eine Koalition mit der Linken schließen SPD und Grüne aus. Bei den kleinen Parteien ergibt das Politbarometer, dass weder die Piraten (die jetzt mit drei Prozent veranschlagt werden) noch die Alternative für Deutschland derzeit eine Chance hätten, in den Bundestag zu kommen.

Grüne haben hohes Wählerpotenzial

Von besonderem Interesse im aktuellen Politbarometer ist das Wählerpotenzial der Parteien, das Auskunft gibt, was sich bis zum Wahltag möglicherweise noch bewegt. Und hier könnte der Überraschungseffekt bei den Grünen am größten sein. Denn immerhin 42 Prozent der Befragten können sich zumindest theoretisch vorstellen, die Öko-Partei am 22. September zu wählen - das ist fast so viel wie die SPD, deren Wählerpotenzial bei 44 Prozent liegt. Auch hier ist der Vorsprung der Union klar: Für 60 Prozent ist die Wahl von CDU oder CSU prinzipiell vorstellbar. Die FDP kommt auf ein Potenzial von 18 Prozent, die Linke liegt bei 15 Prozent. Von den nicht im Bundestag vertretenen Parteien haben die Freien Wähler offenbar das größte Reservoir möglicher Wähler: 22 Prozent sagen, sie könnten sich vorstellen, auch für die erstmals bundesweit antretende Partei zu stimmen. Bei den Piraten liegt das Potenzial bei elf Prozent, bei der AfD bei neun Prozent. Die Zahlen addieren sich auf deutlich mehr als 100 Prozent, weil viele Wähler oft eine Zwei- und Drittpräferenz haben. Nur 28 Prozent der Befragten sind einzig und allein auf eine Partei festgelegt.

Im neuen Politbarometer fällt die SPD um zwei Prozentpunkte zurück.
Im neuen Politbarometer fällt die SPD um zwei Prozentpunkte zurück.Grafik: TSP/Schmidt

Steinbrück hinter Trittin

Angela Merkel, in der Woche der Befragung frisch aus dem Urlaub zurück, liegt weiterhin unangefochten vor ihrem Herausforderer Peer Steinbrück. In der Urteilsskala vom plus fünf bis minus fünf schafft sie 2,2 Punkte, in der eigene Klientel sogar 3,9. Steinbrück dagegen schwächelt nun und kommt bei allen Befragten auf nur 0,1 – das ist deutlich weniger als Frank-Walter Steinmeier (0,7) und auch weniger als der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin (0,2). Allerdings liegen Steinbrück und Steinmeier bei den SPD-Anhängern mit jeweils 1,8 Punkten gleichauf. In der Frage, wer Kanzler werden soll, liegt Merkel mit 63 Prozent nach wie vor komfortabel vor Steinbrück, den 29 Prozent als Regierungschef sehen möchten. Zur Erinnerung: Als Steinbrück im vorigen Herbst als Kanzlerkandidat ausgerufen wurde, lag das Verhältnis bei 49 zu 40 zugunsten der Kanzlerin.

Wahlkampf kommt noch nicht an

Der Wahlkampf der Parteien und auch die schlagzeilenträchtigen Themen des Sommers scheinen gut fünf Wochen vor der Wahl an den Bürgern vorbeizugehen. Zu den Kampagnen der Parteien, schreibt die Forschungsgruppe Wahlen, hätten die meisten Bürger überhaupt keine Meinung. Nur sieben Prozent signalisieren starkes Interesse am Wahlkampf. 22 Prozent sagen, die Union mache den bersten Wahlkampf, von den Sozialdemokraten sagen das acht Prozent, vier Prozent sind es bei den Grünen. Der Rest wird noch weniger wahrgenommen. Das deutet darauf hin, dass die letzten Wochen oder sogar Tage vor der Wahl noch Bewegung bringen könnten. Den Häuserwahlkampf, den zurzeit vor allem die SPD favorisiert, lehnen übrigens 75 Prozent ab. Als wichtigste Themen für die Wahlentscheidung werden soziale Gerechtigkeit und der Arbeitsmarkt genannt; daneben spielt die Euro-Krise eine Rolle. Das aktuelle Thema der Datenüberwachung durch Geheimdienste ist nur für 27 Prozent der Befragten wichtig. Ein Thema, das möglicherweise nach oben drängt, sind die Preise und Lebenshaltungskosten.

 

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