Politbarometer : Steinbrück nähert sich Merkel

Aber der SPD-Kanzlerkandidat hat nach Erkenntnissen der Wahlforscher ein Problem bei Frauen – vor allem bei jüngeren. Ältere Männer dagegen mögen ihn. Weil er ein Männertyp "der alten Schule" ist. Immerhin zieht seine Nominierung die SPD schon leicht nach oben.

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Mit der Nominierung von Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD und damit zum direkten Gegenspieler der Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) wird es in der deutschen Politik wieder eine stärkere Hinwendung zu den beiden großen Parteien geben. Diese These vertritt Richard Hilmer vom Meinungsforschungsinstitut infratest-dimap. Sowohl Steinbrück als auch Merkel seien „enorm authentische Figuren“. Diese Frontstellung sei „ganz schlecht für die FDP und auch für die Piraten“, sagte Hilmer dem Tagesspiegel. Wie sich die klare Positionierung bei SPD und CDU auf die Grünen auswirke, könne man erst nach Abschluss des Auswahlprozesses für ihre beiden Spitzenpolitiker sagen.

Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen weist darauf hin, dass Steinbrück bislang noch deutlich schwächere Persönlichkeitswerte als Merkel habe. Auf einer von plus fünf bis minus fünf reichenden Beurteilungsskala positioniere sich die Kanzlerin bei den Männern mit plus 1,8 , bei den Frauen sogar mit 2,0. Steinbrück komme hingegen bei beiden Geschlechtern nur auf 1,2. Dieser ungünstigere Wert ziehe sich durch alle Altersgruppen, wobei der Sozialdemokrat ein gewisses Problem bei Frauen unter 35 habe.

Dafür hole er bei den männlichen Wählern bereits deutlich auf, sagt wiederum Hilmer, der beide in dieser Gruppe bereits gleichauf sieht. Als Grund dafür nennt er, Steinbrück sei eher ein Männertyp „der alten Schule“, der von Männern grundsätzlich, vor allem aber von älteren, positiv bewertet werde. Deshalb sei es wichtig, dass der SPD-Kanzlerkandidat in sein Team profilierte Frauen aufnehme, die das eigene Defizit ausgleichen könnten. Immerhin, so Hilmer, habe die SPD inzwischen mit Hannelore Kraft, Manuela Schwesig und Malu Dreyer drei herausragende politische Talente. Steinbrücks „Hauptproblem ist die Akzeptanz bei den eigenen Anhängern“, analysiert Matthias Jung. Während Angela Merkel von hohen Zustimmungswerten von 3,5 bis 3,8 in der eigenen Wählerschaft getragen wird, kommt Peer Steinbrück bei SPD-Wählern nur auf 2,2 bis 2,5.

Inwieweit das Duell der beiden Führungskräfte der großen Parteien auch zu einer Polarisierung im Wahlkampf beiträgt, ist noch nicht ausgemacht. Denn bei den wesentlichen Fragen kann eine relative Mehrheit der Bürger keinen großen Unterschied zwischen Merkel und Steinbrück erkennen. 49 Prozent antworten unentschieden auf die Frage, wer die Euro-Schuldenkrise besser meistern könne. 27 Prozent trauen das eher der Kanzlerin zu, 14 Prozent dem Sozialdemokraten. Mit dem Begriff „politische Mitte“ verbinden 24 Prozent der Befragten eher Merkel, 17 Prozent eher Steinbrück. Aber 49 Prozent erkennen keinen großen Unterschied. Und wenn es darum geht, wer eher für soziale Marktwirtschaft steht, kommt Steinbrück auf 30 Prozent, Merkel auf 24 Prozent – und 36 Prozent sind unentschieden. Immerhin hat Steinbrück die Distanz zu Merkel verringert: 49 Prozent wollen weiter Merkel im Kanzleramt, 40 Prozent sähen dort lieber den SPD-Mann. Vor der Nominierung lautete der Abstand 53 zu 36.

Wäre am Sonntag schon Wahl, gäbe es auch einen gewissen Steinbrück-Effekt: Die SPD legt um zwei Punkte auf 31 Prozent zu. Die Grünen verlieren leicht auf zwölf Prozent. Die Union käme auf 38 Prozent, die FDP verharrt bei vier, die Linke bei sechs Prozent. Die Piraten sind auf fünf Prozent abgerutscht.

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