Politbarometer : Umfrageplus: Angela Merkel zieht die Union nach oben

CDU und CSU legen im Politbarometer deutlich zu - trotz Präsidentenaffäre und Schuldenkrise. Wahlforscher Matthias Jung meint: Wulffs Affäre nutzt der Kanzlerin.

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Die Kanzlerin mit dem Präsidenten und seiner Frau, dem Außenminister und dem Vizekanzler.
Die Kanzlerin mit dem Präsidenten und seiner Frau, dem Außenminister und dem Vizekanzler.Foto: dpa

Berlin - Der Bundespräsident in Turbulenzen, die Euro-Schuldenkrise nicht gelöst, eine milde Rezession nicht ausgeschlossen – doch das neue Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel misst ein deutliches Plus für die Union und die Kanzlerin. In dem von der Forschungsgruppe Wahlen ungefiltert präsentierten Ergebnis der Sonntagsfrage springt die Union von 35 auf 41 Prozent. Wäre am Sonntag tatsächlich Bundestagswahl, könnten CDU und CSU nach der Projektion der Wahlforscher mit 36 Prozent rechnen – zwei Punkte mehr als im Dezember. Verlierer sind die Grünen, die um zwei Punkte auf 15 Prozent rutschen. Die anderen Parteien stagnieren, die FDP wäre nicht im Bundestag. Schwarz- Gelb würde von Rot-Grün abgelöst.

Im recht stabilen Ergebnis der Union sieht Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen eine Normalisierung, „es sind solide, aber keine traumhaft guten Ergebnisse“. Das Abschneiden der Union sei zudem sehr stark von Angela Merkel und ihren relativ guten Werten abhängig. „Dabei spielt es auch eine Rolle, dass sie in der Euro-Schuldenkrise nun stärker agierend wahrgenommen wird und nicht nur reaktiv wie in den Monaten zuvor.“

Merkel hat sich so wieder an die Spitze der Beurteilungsrangliste der wichtigsten Politiker gekämpft. Mit 1,7 wird sie nun bewertet (auf der Skala von minus 5 bis plus 5). Damit hat sie die Nase wieder etwas vor Peer Steinbrück (1,5) von der SPD, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (1,3) folgt auf dem dritten Rang. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel liegt mit 0,5 deutlich hinten.

Die Verlierer im Politikerranking sind Bundespräsident Christian Wulff und Philipp Rösler. Der FDP-Chef wird mit minus 1,4 jetzt so gering geschätzt wie sein Vorgänger Guido Westerwelle. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sprach sich für eine Rückkehr Westerwelles auf die innenpolitische Bühne aus. Westerwelle fehle „vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung“, sagte Kubicki der „Stuttgarter Zeitung“.

Wulffs Renommee ist nach vier Affärenwochen ramponiert. Fast zwei Drittel der Befragten halten ihn nicht für glaubwürdig. Könnte Merkels Aufschwung mit Wulffs Malheur zusammenhängen? Wahlforscher Jung meint, es sei Merkel offensichtlich gelungen, ihr politisches Schicksal von den Belastungen abzukoppeln, die mit den Problemen Wulffs verbunden sind. „Da färbt nichts ab. Man könnte sogar fast sagen, dass die Causa Wulff der Kanzlerin in der Wahrnehmung der Bürger nutzt, weil sie sich positiv abhebt.“

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