Political Animal : Zum Frauentag: Politik mal ganz praktisch

Frauen sind von Armut weitaus häufiger betroffen als Männer. Wenn mangelndes Geld ein Grund ist, nicht zu verhüten, sollte der Staat die Kosten für die Verhütung übernehmen.

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Manche Frauen können sich die Pille nicht leisten.
Manche Frauen können sich die Pille nicht leisten.Foto: picture-alliance/ dpa

Statistiken zu Frauen in Deutschland: Rund 41 Millionen Frauen sind es, rund zwei Millionen mehr als Männer. Die Lebenserwartung der Frauen beträgt 83,2 Jahre. Im Alter von rund 31 Jahren heiraten die deutschen Frauen im Durchschnitt und bringen 1,38 Kinder in ihrem Leben zur Welt, womit Deutschland im Vergleich innerhalb Europas einen der hinteren Plätze belegt. Frauen sind in Deutschland häufiger von Armut betroffen als Männer. Mehr als 2,2 Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter leben von Hartz IV. Gründe für die Armut sind Unterbrechungen in den Erwerbszeiten durch Kindererziehung und Pflege, der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigungen und schlechtere Bezahlung.

Warum das alles hier steht? Weil heute der Internationale Frauentag ist und die Nationale Armutskonferenz (NAK) anlässlich dessen mehr Unterstützung für Frauen in Notlagen fordert. Die NAK ist im Herbst 1991 als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerks gegründet worden. Mitglieder sind: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband, Armutsnetzwerk Armut und Gesundheit in Deutschland, BAG Schuldnerberatung, BAG Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit, BAG Wohnungslosenhilfe, Bundesbetroffeneninitiative wohnungsloser Menschen, Bundesverband Die Deutsche Tafel, Der Paritätische Gesamtverband, Deutscher Bundesjugendring, Deutscher Caritasverband, Deutscher Gewerkschaftsbund, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, BAG der Landesseniorenvertretungen, Gesundheit Berlin-Brandenburg.

Hilfe für Frauen in Notlagen – das geht alle an, die gesamte Gesellschaft. So, wenn es um das Thema Verhütung geht. Belastend für viele Frauen könne sein, sagt die NAK, dass sie die Kosten für Verhütungsmittel selbst zahlen müssen, wenn sie älter als 20 sind. Vom Regelsatz sind sie kaum zu finanzieren, und Studentinnen, Auszubildende oder Frauen, die Wohngeld erhalten, können die Mittel oft nicht bezahlen. Daher stellt sich Frauen in finanzieller Not die existenzielle Frage, wie sie eine geeignete Verhütung finanzieren können.

Das ist ein ernstes Thema, ein lebensnahes Thema. Studien belegen, dass immer mehr Frauen auf unsichere Methoden ausweichen oder gar nicht verhüten, weil sie kein Geld dafür haben. Hier bedarf es, findet die NAK, einer gesetzlichen Verbesserung: ein Rechtsanspruch auf die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln für Frauen, die von Armut betroffen sind. Die Begründung sollte links wie rechts einen: „Die Kostenübernahme soll verhindern, dass Frauen aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten Verhütungsmittel absetzen müssen oder nicht nutzen und in der Folge einen Schwangerschaftsabbruch in Betracht ziehen.“ Wer sagt, dass Politik nicht ganz schnell ganz praktisch vielen helfen kann?

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