Politik : Politik 2000: Abschied von der großen Bühne

Robert Birnbaum

Das Jahrtausend hat für die konservative Opposition schlecht angefangen. Zwei Vorsitzende hat die CDU in diesem Jahr verloren - Wolfgang Schäuble und den Vorsitzenden ehrenhalber, Helmut Kohl. Zwei Landtagswahlen hat die CDU verloren - in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen. Viel Geld hat die CDU verloren - um 40 Millionen Mark Strafe für die Sünden der Hessen-CDU streiten die Juristen. Und viel Vertrauen hat die CDU verloren. Eine neue Chefin hat sie gewonnen und einen neuen Generalsekretär - der nach einem halben Jahr schon wieder als Verlust zu verbuchen war.

Als sich die CDU-Spitze Anfang Januar zur Klausur traf, schien die Spendenaffäre vielen beherrschbar. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Wenige Tage nach der Norderstedter Klausur trat der nächste Geständige vor die Kameras: Manfred Kanther, Ikone der Recht-und-Ordnung-Fraktion in der Union. Fast zur gleichen Zeit muss Schäuble einräumen, dass auch er eine dubiose Spende bekommen hat. Aus dem nie förmlich erklärten Nachfolge-Wahlkampf geht Angela Merkel als Siegerin hervor - die Parteibasis setzt bei einer Serie von Regionalkonferenzen auf die Frau aus dem Osten. Die Fraktion übernimmt der Hoffnungsträger Friedrich Merz. Seither hat das Interesse an der Spendenaffäre nachgelassen. Der zehnte Jahrestag der Einheit bot Merkel den Anlass, den Krieg mit Kohl zu beenden und den Altkanzler als historische Figur wieder in die Partei zu integrieren. Ausgestanden ist der Skandal nicht. Gegen zentrale Figuren wie den Ex-Schatzmeister Walther Leisler Kiep wird weiter ermittelt. Außerdem mehren sich Indizien für Schäubles Verdacht, dass Kohl seine anonymen "Spender" erfunden hat, um eine noch unentdeckte Schwarzgeld-Quelle zu tarnen.

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