POLITIK ALS BERUF : "Er macht seinen Job gut"

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Simone Targetti (24) studiert Politik und will sich in Berlusconis Partei engagieren.

Ich studiere Politik und bin kurz vor dem Examen. Meine Abschlussarbeit beschäftigt sich mit internationalem Terrorismus und der Rolle der EU. Demnächst bin ich für ein paar Monate in Dublin, um bei einer Menschenrechtsorganisation zu arbeiten, die sich in Lateinamerika engagiert. Wenn ich zurückkomme, werde ich in der Jugendorganisation des „Volks der Freiheit“ mitmachen. Dafür habe ich ich jetzt entschieden, nachdem ich es lange schwierig fand, meinen Platz in der Politik zu finden. Ich ertrage es einfach nicht, mich einem Parteiprogramm oder den Befehlen anderer unterzuordnen. Berlusconis Forza Italia ist die am meisten gemäßigte Partei, weiter rechts macht die Parteijugend schlicht, was ihr gesagt wird, auch mit Gewalt – so wie kürzlich an meiner Fakultät in Rom, wo Rechte mit schweren Ketten in die Aula einbrachen und losschlugen. Die Art von Politik hasse ich. Und bei Alleanza Nazionale machen die Jungen nichts Produktives, die gehen nur zu Kundgebungen auf die Straße. Zu Forza Italia bin ich aber auch gekommen, weil Berlusconi derzeit der einzige Anknüpfungspunkt ist. Wer politisch etwas bewirken will, muss zu ihm. Ich finde seine Allmacht und Allgegenwart sehr beunruhigend, aber auf der Linken sehe ich weder Ideale noch starke Ideen, die wird die nächsten Jahre völlig unbedeutend sein. Berlusconi macht seinen Job gut, aber er lässt, auch durch seine Rolle als Medienmacher, keinen Platz für andere. Das wird sich erst ändern, wenn er mal abtritt. Dann will ich vorbereitet sein, politische Erfahrungen gesammelt und vielleicht in der Regionalpolitik gearbeitet haben. Dann kann ich auch wechseln. Aber im Moment in den Partito Democratico zu gehen, das hieße, sich selbst begraben. Meine politischen Ideen? Ich glaube fest an die Demokratie, in der es auch eine Opposition gibt. Leider ist es bei uns so, dass die Vorschläge der einen immer von den anderen ausgebremst werden. Sicherheit ist für mich ein fundamentales Thema, außerdem die Föderalisierung Italiens. Unser Zentralstaat kostet zu viel. Ich bin sicher, dass ich beruflich Politik machen werde. Vielleicht nicht in Italien. Sicherheitspolitik in Brüssel würde mir gefallen.

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